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THE GREATEST LOVE OF ALL
DRUM PRÜFE, WER SICH EWIG BINDET . . .
TRAUMPAARE DER WELTGESCHICHTE
"Die Liebe ist das einzige Märchen, das
mit keinem es war einmal beginnt -
aber schließt." (Hans Lohberger)

Liebespaare

EIN KAPITEL AUS DIKIGOROS' WEBSEITE
REISEN DURCH DIE VERGANGENHEIT
GESCHICHTEN AUS DER GESCHICHTE

Keine Angst, liebe Leser, Dikigoros wird hier nicht bei Adam und Eva anfangen, denn erstens hat die niemand gefragt, ob sie ein Liebespaar werden wollen - sie hatten einfach keine Alternative -, und zweitens wissen wir über ihre Beziehung nichts weiter, als daß sie mit einem Apfel (wenn der denn mit jener ominösen "Frucht vom Baum der Erkenntnis" gemeint gewesen sein sollte) begann und mit einer Horde ungezogener Kinder endete. Auch nicht mit Maria und Josef, denn da fühlt er sich als [Ehe-]Mann immer irgendwie verarscht. Er wird Euch auch nicht mit Romeo und Julia kommen, denn die waren ebenso wenig historische Persönlichkeiten wie Páris und Heléne (über deren Beziehung wir ohnehin nichts wissen, außer daß sie als Vorwand für den Trojanischen Krieg diente) oder Tarzan und Jane; und über Berti und Drina schreibt er ebenso an anderer Stelle wie über George und Libby. Außerdem waren die letzteren keine Mischehen, und das scheint Voraussetzung dafür zu sein, als Traumpaar in die Geschichte einzugehen. (Alleine reicht das freilich nicht aus, sonst könnten ja jetzt die Fans von Johnny Hallyday und Sylvie Vartan oder Sonny und Cher kommen und ihre Stars anmelden - und irgendwann vielleicht auch mal die von O.J. Simpson oder A. Agassi. Aber der Franzose und die Bulgarin, der weiße Amerikaner und die Halb-Indianerin, der US-Neger und die US-Jüdin, der US-Perser und die US-Deutsche mögen zwar für einige 68er, Schlager- und Sportfreaks "Traumpaare" [gewesen] sein, doch schwerlich solche, die Weltgeschichte gemacht haben.) Deshalb hat Dikigoros diesmal ganz gegen seine Gewohnheit eine englische Überschrift gewählt - denn in welcher anderen Sprache hätte sich die Mehrzahl unserer Traumpaare sonst unterhalten sollen? Gewiß, Caesar und Kleopatra sprachen beide Griechisch; Siegfried und Brunhilde konnten sich vielleicht auf Hoch-Germanisch "verständigen" (wobei Dikigoros freilich den Verdacht hegt, daß sich gerade diese beiden als Wessi und Ossi dennoch mehr mißverstanden als der Rest der hier vorgestellten Paare zusammen); aber die meisten anderen hatten einander entweder gar nichts zu sagen (oder vielleicht gerade mal so viel wie ein deutscher Freier und ein Bar-Mädchen aus Pattaya), oder aber sie haben sich nachweislich der englischen Sprache bedient. [Das gilt selbst für das vorletzte Paar - obwohl die Italienerin am Ende besser Hindí sprach als der Kronprinz von Indien - doch auch das ist eine andere Geschichte]. Hat Dikigoros bei einem so heiklen Thema auch alles fein säuberlich politisch korrekt und ausgewogen verteilt? Mal sehen: Ja, 5x Antike und 5x Moderne, alle großen Kulturvölker sind vertreten (oder zumindest alle, die sich dafür halten - außer Chinesen und Japanern; aber kennt Ihr vielleicht ein japanisch-chinesisches Traumpaar? Dikigoros auch nicht!): Juden und Palästinenser, Ägypter und Perser, Griechen und Römer, Kelten und Germanen, Engländer und Inder, Amerikaner und Deutsche, Franzosen und sogar Italiener...

Warum sind all diese "Traumpartnerschaften" gescheitert? Weil das nun mal der Lauf der Weltgeschichte ist, sagen die einen. Weil in allen Fällen der Mann zuerst genannt ist und solche Beziehungen nicht gut gehen können, sagt Frau Dikigoros. An beidem mag was dran sein; aber daß das nun der entscheidende Grund gewesen sein soll... nein, das kann Dikigoros nicht glauben. Er hat seine eigene Theorie: Einer der großen Träume der Menschheit ist es stets gewesen, zu einer Völker-Verständigung zu gelangen, welche die von der (vielleicht göttlichen, vielleicht auch nur tierischen, aber jedenfalls unmenschlichen) Natur gesetzten Grenzen überschreitet. Fürwahr ein schöner Traum - wenn er nur zu verwirklichen wäre! Wie das Träume so an sich haben, muß ihn jeder für sich träumen, und nur die wenigsten vermögen ihn zu verwirklichen, denn das ist ein mühsames Unterfangen, welches mit viel reisen, sehen, lernen und verstehen verbunden ist. Aber in Zeiten der Bequemlichkeit - wie dem 20. Jahrhundert - glauben viele Leute, daß das doch viel einfacher, genauer gesagt zweifacher gehen müsse: Was könnte schöner sein, als diese Verständigung statt alleine zu träumen zu zweit im Bett zu erzeugen, durch die große Liebe und alles, was damit zusammen hängt... So gehört denn zu einer Traumhochzeit das Element des Grenzüberschreitenden, kurzum die Mischehe. (Das erklärt übrigens, warum hier keine Japaner und Chinesen vertreten sind - ebenso wenig wie etwa Koreaner oder Siamesen: Für deren Verständnis wäre eine solche Ehe bestenfalls eine Mésalliance, schlimmstenfalls Rassenschande.) Dikigoros hegt nicht den geringsten Zweifel, daß diese seine Theorie richtig ist - aber er will sie niemandem aufdrängen. Unternehmt die Reise durch die folgenden Kapitel, liebe Leser, und macht Euch selber ein Bild - dann können wir weiter diskutieren.

Der Jude und die Palästinenserin
SIMSON UND DELILA

Ein hübsches Bild: Simson ganz modern - aber leider ist so ziemlich alles daran falsch. Im Original sogar noch mehr, da steht "Samson" drunter; bei jüdischen Namen ist es ja immer schwierig, die richtige Aussprache zu finden, da die Vokale ursprünglich nicht mit geschrieben wurden, also "Smsn" - erst spätere Kommentatoren haben die Heilige Schrift mit diesbezüglichen Randglossen versehen. Allerdings ist auch "Simson" nicht ganz richtig - es sei denn man weiß, daß das jüdische Zeichen, das wir für gewöhnlich mit "s" wieder geben, wie unser "sch" ausgesprochen wird, also Schimschon, Schalomon, Schaul usw. (Glaubt bitte nicht, liebe Leser, daß das alberne Nebensächlichkeiten seien, sondern steckt Eure Nase mal ins Alte Testament, Richter 12: Wer z.B. "Schibboleth" fälschlich wie "Sibboleth" ausspricht und sich damit als Ausländer outet, der wird von den Juden ohne viel Federlesens ermordet; denn die Zehn Gebote, von "Du sollst nicht töten" bis "Du sollst kein falsches Zeugnis ablegen", gelten ja - ebenso wie die höchst edlen und menschenfreundlichen Vorschriften des Qur'an - ausdrücklich nur gegenüber dem "Nächsten", also dem Volks- und Glaubensgenossen, nicht gegenüber dem Ungläubigen und Fremdrassigen.) Nun, wenn sich von der grauen Vorzeit bis in die Moderne irgendwo auf der Welt irgend etwas nicht geändert hat, dann ist das im nächsten, pardon nahen Osten das Verhältnis zwischen Juden und Palästinensern, die einander zwar immer sehr nah gewesen sind, aber eben nie "die Nächsten". Die Machtverhältnisse zwischen den beiden haben im Laufe der Geschichte verschiedentlich gewechselt. Zur biblischen Zeit der "Richter" hatten die Palästinenser (aus denen Luther die "Philister" machte, weshalb Euch diese Bezeichnung besser geläufig ist; es ist aber unstreitig, daß das die direkten Vorfahren der heutigen Palästinenser sind) Israel besetzt, und die Juden fühlten sich unterdrückt. Weshalb der brave Jude Manoah seinen Sohn Simson dann ausgerechnet mit einer Palästinenserin verheiratet? Das steht zwar nicht explizit in der Bibel, aber wenn Dikigoros richtig zwischen den Zeilen liest, dann hing das mit dem Brautpreis zusammen, der für eine Palästinenserin wohl niedriger war als für eine Jüdin - wenn man das denn vergleichen kann und will. Ihr erinnert Euch vielleicht dunkel, wie das damals bei den Juden war: Der Bräutigam mußte den Brautpreis bei seinen Schwiegereltern in spe abarbeiten, in der Regel sieben Jahre lang; bei den Palästinensern mußte er nur 7 Tage warten und dann eine siebentägige Hochzeit ausrichten. Und Juden hatten halt schon immer einen Sinn fürs Geld - weshalb sie ja auch heute noch in großem Umfang billiges Hauspersonal und andere Leute für schlecht bezahlte Drecksarbeit aus Palästina in ihr Land holen und sich dann wundern, wenn die Terror machen. Aber sie scheinen selbst aus noch so großem Schaden nicht klug werden zu wollen.

Simson auch nicht. Denn Delila war ja nicht seine erste Braut aus Palästina; und schon mit der ersten hatte er Schiffbruch erlitten, da sie sich schon während der Hochzeitsfeier mit ihren Verwandten verbündet hatte (merke: Blut ist dicker als Wasser!), um ihren Bräutigam bei einer Wette zu übertölpeln und er sich daraufhin wutentbrannt davon gemacht hatte - als er sich besann (schließlich hatte er schon gezahlt) und wieder bei den Schwiegereltern auftauchte, hatten die ihre Tochter schon anderweitig verheiratet. Man bot ihm zwar die jüngere Schwester als Ersatz dran - vorausgesetzt, er legte noch ein paar Teuro drauf; aber darauf wollte er sich nicht einlassen; vielmehr zündete er aus Rache 300 armen Füchsen die Schwänze an und jagte sie über die Felder der Palästinenser, fackelte so ihre Weizengarben, ihre Weinberge und ihre Olivenbäume ab. Tja, die Israelis sind noch nie zimperlich gewesen, wenn es gegen die Palästinenser ging... Als die eine Strafexpedition aussenden, um Simson zu fassen, erschlägt er sie allesamt eigenhändig - mit einem Eselsknochen -, 1.000 an der Zahl, sagt die Bibel; aber wir wissen ja, daß die Juden beim Zählen von Toten gerne mal eine Null dran hängen... Was der Sache an sich aber keinen Abbruch tun soll, weder im 20. Jahrhundert noch in biblischen Zeiten - auch 100 wären ja schon einiges gewesen. Jedenfalls bleibt Simson in der Folge offenbar unbehelligt, hurt noch etwas im Gaza-Streifen herum, bis er sich endlich in eine gewisse Delila verliebt - wieder eine Palästinenserin, und wieder heiratet er sie. Duplizität der Ereignisse: Wieder kommen Delilas Volksgenossen, die Palästinenser, und wollen wissen, was sie tun müssen, um Simson - der unverwundbar scheint - zu überwinden; und sie fragt ihn ganz ungeniert. (Erinnert Euch das an die Szene zwischen Hagen und Krimhild im Nibelungenlied, als er sie nach dem Lindenblatt fragt? Vorsicht, der Vergleich hinkt, wie wir weiter unten sehen werden!)

Etwas gewitzter ist Simson nun schon; er verplappert sich nicht gleich, wie bei der ersten Hochzeit, sondern tischt seiner Frau erst zwei Märchen auf; aber beim dritten Mal verrät er ihr sein Geheimnis dann doch: sein Haar gibt ihm die magische Kraft (ein alter Aberglaube viele Völker, nicht nur der Juden und Araber, sondern auch der alten Germanen und Inder - und noch heute der Sikhs, aber das ist eine andere Geschichte). Dann ist ja alles klar: Die Palästinenser (nicht Delila!) scheren Simson im Schlaf - genauer gesagt im Rausch, er hat sich mal wieder besoffen, und seine neue Frau hat ihm auch noch Schlafmohn in den Wein gemischt - die Haare (wobei man sich fragt: wenn sie das können, warum können sie ihn dann nicht gleich töten?), worauf ihn alle seine Kräfte verlassen - zu allererst die Manneskraft, was ein mehr als deutlicher Hinweis darauf ist, daß das biblische "blenden" (die Palästinenser stechen Simson die Augen aus) für "kastrieren" steht - übrigens nicht nur an dieser Stelle; schon in der Genesis steht "Erkenntnis" und "erkennen" natürlich nicht für "sehen", sondern für "Geschlechtsverkehr haben". Nun wissen wir ja alle, wie die Geschichte ausgeht: Simson wachsen die Haare wieder nach (warum rasieren ihm die palästinensischen Deppen eigentlich nicht täglich wieder eine Glatze?), und eines schönen Tages, als er zur Belustigung der Massen im Zirkus vorgeführt werden soll, reißt er die tragenden Säulen des Gebäudes ein; die Trümmer begraben ihn und 3.000 palästinensische Feinde mit ihm - ein guter Schnitt, wie ihn ja auch heutzutage die meisten palästinensischen Selbstmord-Attentäter machen, wenn sie Dutzende oder gar Hunderte Israelis mit in den Tod nehmen. Freilich hat man inzwischen den alten Palästinenser-Zirkus wieder ausgebuddelt und festgestellt, daß die Juden sich auch da wieder mindestens eine, wenn nicht zwei Nullen Tote zuviel in die Tasche gelogen haben: das Gebäude bot höchstens Platz für 100 Menschen...

Wollen wir uns noch ein paar Gedanken machen, warum Delila ihren Mann verraten hat? In der Bibel steht etwas oberflächlich, sie habe sich von den palästinensischen Fürsten "bestechen" lassen; aber deren Verfasser waren Männer, dazu noch recht frauenfeindliche Männer, die ständig etwas zu verbergen hatten - so auch hier. Denken wir doch mal einen Augenblick in Ruhe darüber nach: Delila hatte Simson geheiratet, weil er jung, reich, mächtig (nicht einfach nur stark) und gut im Bett war. Was hätte man ihr an materiellen Gütern bieten können, um ihn zu verraten? 30 Silberlinge? (Im Text steht 3.000 - aber wir wissen ja inzwischen, daß wir bei den Juden immer 1-2 Nullen abziehen müssen!) Lächerlich. Andere Männer? Ein Fürstentum? Davon lesen wir nichts. Nein, aber man konnte an ihren Patriotismus appellieren - wenn sie die Ehe nicht ohnehin von vornherein mit dem Hintergedanken geschlossen hatte, diesen größten Feind ihres Volkes zu verderben. Mit dem Patriotismus ist das so eine Sache. Heute verstehen wir einfach "Vaterlandsliebe" darunter; aber das greift eigentlich viel zu weit. Im ursprünglichen Sinne des Wortes ist es einfach "Vaterliebe". Ja aber, werden die Kinder des 20. Jahrhunderts fragen, wo sollte denn da ein Problem liegen? Oh, liebe Leser, da liegt das Problem der Menschheitsgeschichte überhaupt, jedenfalls soweit es um Männlein und Weiblein, Eheschließung und Familien-Gründung bzw. -Fortsetzung geht, und wir werden ihm noch bei einigen Paaren wieder begegnen: Egal, wer bei der Partnerwahl das entscheidende Wort spricht (meist der Vater, manchmal auch die Mutter, selten der Bräutigam, fast nie die Braut) - nach der Heirat steht vor allem die Frau immer im Spannungsfeld der Interessen. Auf wessen Seite soll sie sich im Konfliktfall, wenn es wirklich hart auf hart geht, stellen? Normalerweise, d.h. wenn sie bei der Eheschließung auf ihren Vater gehört hat, wird sie auch später im Zweifel auf dessen Seite stehen. Bei einer so genannten "Liebesheirat" wird es schon schwieriger - je nachdem wie sie sich entwickelt hat, ob noch etwas von der "großen Liebe" übrig ist, vor allem ob gemeinsame Kinder vorhanden sind - dann könnte sich die Waagschale zugunsten des Mannes neigen. Aber diese ohnehin schon schwierige Balance wird noch weiter gestört, wenn - wie das in Mischehen nun mal zwangsläufig der Fall ist - der Nationalitäts-Unterschied mit ins Spiel kommt, und es kein bloßer Familienstreit ist, sondern ein Konflikt zwischen zwei Nationen. So war es hier: Delila hatte Simson schwerlich aus Liebe geheiratet, gemeinsame Kinder hatten sie keine, und er war ein Feind ihres Volkes. Wie hättet Ihr entschieden, lieber Leserinnen?

(...)

Der Grieche und die Türkin
IASON UND MEDEA

Nein, liebe Leser, Dikigoros will Euch hier nicht noch einmal die ganze Geschichte der Argonávten auftischen - das tut er schon an anderer Stelle -, sondern sich auf einen ganz bestimmten Handlungsstrang konzentrieren, nämlich auf das Verhältnis zwischen Iáson und Médea (wir wollen sie so schreiben, obwohl die alten Griechen sie "Mädeia" schrieben und die neuen Griechen das "Mídia" aussprechen; allein die übliche deutsche Aussprache - "Medéa" oder so ähnlich - ist völlig falsch). Von denen unter Euch, die diese etwas obskure Sage noch kennen (was man so "kennen" nennt), haben die meisten sie wahrscheinlich in der Fassung ad usum Delphini von Gustav Schwab gelesen, in "Die schönsten Sagen des klassischen Altertums", einige studierte Graecisten vielleicht auch in der Argonávtika des Apollonios von Rhodos oder in der "Mädeia" des Evripídis. [Anm. für Gesamtschüler und Gymnasiasten: das ist der, den man Euch als "Eurípides" untergejubelt hat; aber das vermeintliche "u" ist in Wirklichkeit ein "v" und spricht sich wie ein deutsches "f"; und die Betonung liegt im Griechischen auf der vorletzten Silbe - wie im Deutschen auch, warum müssen die Deutschen das in Fremdwörtern nur immer falsch machen?] So oder so, Ihr kennt die Vorgeschichte: Iason rudert mit seinen Genossen nach Kolchis, um das Goldene Vlies nach Iolkos zu holen. Viele haben gerätselt, was es mit diesem magischen Fell auf sich hat; aber wenn Ihr Euch mal oben das Bild anschaut, scheint des Rätsels Lösung doch eher banal: Das Vlies hat seine goldene Farbe bekommen, weil die Priesterin Médea das Schaf in einer goldfarbenen Brühe (den Farbtopf hält sie in der linken Hand) zu heiß gebadet hat. (Vielleicht hat sie auch das, was die Angelsachsen "Midas' Touch" nennen; bekanntlich wurde ja alles, was ihr Namensvetter Mídas - seht Ihr, liebe Leser, wenn Ihr die Namen richtig schreibt und aussprecht, springt Euch die Verwandschaft geradezu in Augen und Ohren! - anrührte, zu Gold, und sie rührte eben die Suppe an.) Das ist wahrscheinlich auch das Geheimnis, das bewahrt werden sollte, deshalb durfte das Ding eigentlich niemand sehen, statt dessen liefen die wildesten Gerüchte um. Was mag der Grieche Iason über das Goldene Vlies der Kolchen gewußt oder zu wissen geglaubt haben? Glaubte er im Ernst, da hätte jahraus, jahrein dasselbe Exemplar herum gehangen und Zauberkräfte ausgedünstet? Das hätte allenfalls bestialisch gestunken, deshalb wurde regelmäßig jedes Jahr ein neues Schaf geschlachtet (früher wohl ein Mensch - wie noch bei den präkolumbianischen Indios der sagenhafte "El Dorado"), sein Fell golden gefärbt und aufgehängt als Kultobjekt - so wie andere später eine vergoldete Madonna mit Jesulein oder einen vergoldeten Christus am Kreuz in ihre Kirchen hängten.

Aber das band Médea ihrem Iáson natürlich nicht auf die Nase - die hatte ganz andere Interessen: Sie wollte nur raus aus ihrem goldenen Käfig mit dem goldenen Vlies, das sie zur Jungfräulichkeit verdammte, und da sie im eigenen Lande - wo sie ja bekannt war wie ein bunter Hund, pardon, wie ein goldenes Schaf - keinen Mann finden konnte, hatte sie praktisch nur die Chance, mit ihrer Familie zu brechen (ihren Bruder, der sie daran hindern wollte, brachte sie sogar um - im Gegensatz zu dem, was Fernau behauptet hat, hat nicht erst Krimhild im Nibelungenlied den Konflikt zwischen Gatten- und Geschwisterliebe zu Ungunsten der letzteren entschieden!) und mit einem Ausländer abzuhauen. Da kam ihr der tumpe Iason gerade recht: Der glaubte tatsächlich, das Goldene Vlies gefunden zu haben und nahm dessen Hüterin gleich mit nach Griechenland - eine Ehe, die auf einem solchen Betrug aufbaute, konnte ja nicht gut gehen, zumal diese Mitgift überhaupt der einzige Grund war, aus dem der Grieche die Bárbarin geheiratet hatte. Aber vielleicht war das ganze auch nur ein sprachliches Mißverständnis? "Bárbaros" hieß ja bei den Griechen jemand, der ihrer Sprache nicht mächtig war, oder sie jedenfalls nicht fließend sprach; und da Iason seinerseits schwerlich Kolchisch gesprochen haben wird... Es ist wie so oft in einer Mischehe: Es herrscht von vornherein ein verdeckter Dissens bezüglich der gemeinsamen - oder vielmehr der entgegen gesetzten - Beweggründe und Ziele dieser Verbindung, genau wie heutzutage, wenn der alte Knacker aus Mitteleuropa, der die Nase voll hat von den schlitzäugigen, geldgierigen Barladies aus Thailand, sich ein vermeintlich zuverlässigeres und genügsameres goldblondes Schaf aus Osteuropa ins Land holt, oft ohne das geringste über deren kulturellen Hintergrund im allgemeinen und ihren persönlichen im besonderen ("meine ist keine... [Mitgiftjägerin, Hobbynutte, usw.]") zu wissen. Und die Frau denkt natürlich, daß der dicke Max, den der Mann bei ihr markiert hat, weil der Wechselkurs auf dem Schwarzmarkt günstig war, bei sich zuhause Millionär sein muß und ihr ein Leben in Saus und Braus finanzieren kann. Mit anderen Worten: Der eine will nur viel Sex, die andere will nur viel Knete. (Inzwischen gibt es auch Europäerinnen, die einen Afrikaner heiraten, "weil Neger besser schnackseln", wie mal eine von ihnen gesagt hat; und die Afrikaner wollen so die Eintrittskarte ins Schlaraffenland für sich und ihre ganze Großfamilie lösen - aber noch sind diese Gegenbeispiele Ausnahmefälle.)

Dikigoros schreibt bewußt "wie so oft", und nicht "wie immer", denn er kennt ja all die schönen Theorien, die von Leuten vertreten werden, die es besser machen wollen: Sie glauben, eine Mischehe müsse doch funktionieren, wenn man von vornherein darauf achte, daß man finanziell und bildungsmäßig (vor allem was die Fremdsprachen-Kenntnisse anbelangt) in etwa auf der gleichen Stufe stehe, ähnliche Interessen habe und vielleicht auch noch in etwa ebenbürtiger Herkunft sei. Ach, wenn es denn so wäre! Glaubt Dikigoros als altem, erfahrenen Scheidungsanwalt: Verglichen mit den gegensätzlichen Interessen an Sex bzw. Geld (die ja beiden Seiten bekannt sind oder zumindest bekannt sein müßten - solche Gegensätze können bekanntlich sogar anziehend wirken :-) ist der Dissens in den übrigen, wirklich wichtigen Dingen des Lebens zehnmal schlimmer. Weshalb heiratet denn der Westeuropäer die Asiatin, wenn es ihm nicht [nur] auf Sex ankommt? Weil er die einheimischen, emanzigen Weiber satt hat, die ständig alles besser wissen, an ihm herummäkeln, launisch und frech sind, sich einbilden, "gleichberechtigt" zu sein und das am Ende auch noch einklagen! Und warum heiratet denn die Asiatin den Westeuropäer, wenn es ihr nicht [nur] auf sein Geld ankommt? Weil sie es satt hat, immer eingesperrt zu sein, unter der Fuchtel einer selbstherrlichen Schwiegermutter, vom Mann und dessen Brüdern behandelt zu werden wie ein dummes Gänschen, dabei noch immer gute Miene zum bösen Spiel machen zu müssen, lieb lächeln, kuschen und gehorchen... Nein, sie will so frei und emanzipiert sein wie ihre europäischen Schwestern aus den nordamerikanischen Fernsehsendungen, abends alleine - oder mit anderen Männern - ausgehen dürfen, ins Kino, in die Disco oder sonstwohin - das erwartet sie sich von der Ehe mit einem Europäer. Der Wiederum... aber wozu soll Dikigoros Euch das alles aufzählen? Der Mann sucht genau das brave Schaf, das die Frau eben nicht sein will, und deshalb können solche Ehen auf die Dauer nur scheitern.

Und wenn Ihr Dikigoros das alles nicht glauben wollt, liebe Leser, dann laßt Euch wenigstens die Geschichte vom Königssohn Iáson und der Königstochter Médea als warnendes Beispiel dienen, die beide gleich gebildet waren (vielleicht konnten sie sogar problemlos in einer ihnen beiden bekannten Sprache kommunizieren - manche Professoren für Altertumskunde glauben daraus schließen zu dürfen, daß Médea ursprünglich eine Griechin war, aus Korinth) und bei denen es dem Mann nicht nur um Sex und der Frau nicht nur um Geld ging - eher im Gegenteil: Médea hatte ja zuhause in Kolchis genug Gold gehabt, wollte aber statt dessen (merke: Menschen - und besonders solche weiblichen Geschlechts - wollen grundsätzlich immer etwas anderes sein und besitzen als sie gerade sind und haben!) Sex, Ehe und Kinder. Iáson dagegen brauchte nicht nach Kolchis zu fahren, um Sex zu bekommen - den hatte er unterwegs schon auf der Weiber-Insel Lemnos ausgiebig genossen, und zuhause gab es ja auch noch genug Auswahl. Nein - er wollte nur das Goldene Vlies und nahm dessen Hüterin ebenso billigend mit in Kauf wie heutzutage die Asiatin, Afrikanerin, Lateinamerikanerin oder Osteuropäerin, die einen reichen älteren Ausländer aus dem Westen heiratet, dessen Bierbauch, Glatze und nachlassende Potenz. Denn eines mußte Iáson klar sein: Médea war von Beruf Priesterin, und wie das so ist mit berufstätigen, zumal intellektuellen Frauen: von denen kann man als Haus- und Ehefrau nicht viel erwarten, denn es macht halt einen Unterschied, einem Schaf das Fell einzufärben oder einen Hammelbraten zuzubereiten - der ohnehin normalerweise nicht auf dem Speiseplan der Griechen stand. Aber das war nicht der einzige kulturelle Unterschied, der es Médea schwer machte, sich einzuleben: In Hellas gab es zwar viele Götter, aber keine Religionsfreiheit - es durfte noch nicht jeder Türke dort seine Moschee bauen, wie heute bei uns in Mitteleuropa, und nicht jede Kolcherin durfte ein "goldenes" Schaffell - das sicher allmählich zu stinken begann - zwecks Anbetung aufhängen, geschweige denn es durch Ausübung ihres Kultes alljährlich durch ein neues ersetzen; die Griechen hatten Iáson schließlich ausgeschickt, damit er Gold ins Land holte (wie ja alle Kolonialvölker dem Irrglauben erliegen, der Kolonialismus würde sich finanziell auszahlen und damit all die Probleme aufwiegen - womöglich in Gold - , die man sich mit ihm ins Land holt); nicht damit er einen Kult einschleppte, für den man auch noch Gold verplempern mußte!

Und wenn dennoch alles ausnahmsweise mal zusammen paßt, dann kommt das Hauptproblem: die Kinder. Viele Kinderlose - vor allem Frauen - glauben ja, daß Kinder eine verkorkste Ehe kitten können, obwohl die Erfahrung der Ehen mit Kindern eher für das Gegenteil spricht. (Freilich können nicht vorhandene Kinder eine Ehe zerstören - auf eine solche Geschichte kommen wir später -, aber deshalb gilt der Umkehrschluß noch lange nicht zwangsläufig.) Wie dem auch sei: eine Ehe besteht ja nicht im luftleeren Raum, sondern innerhalb einer Gesellschaft, und während sich ein Ehepaar noch mehr oder weniger von der Umwelt abkapseln kann (jedenfalls in der heutigen anonymen Gesellschaft - im alten Hellas wahrscheinlich nicht einmal das), kann es das spätestens dann nicht mehr, wenn sie gemeinsame Kinder haben, die in den Kindergarten oder in die Schule gehen oder sonstwie ans Licht der Öffentlichkeit treten müssen. Denn diese Öffentlichkeit reagiert auf die Kinder; und obwohl Dikigoros eigentlich gar keine Gesellschaft kennt, in der Mischlings-Kinder gerne gesehen würden, kennt er doch kaum eine, die sie so ungerne sieht wie die griechische. Überhaupt gab und gibt es wohl in Europa kein nationalistischeres und fremdenfeindlicheres Volk als die Griechen (die Heiligkeit der Gastfreundschaft - nicht zu verwechseln mit teuren Hotels und Restaurants für ausländische Touristen, die Devisen ins Land bringen - galt nie gegenüber Bárbaren, sondern immer nur gegenüber Volksgenossen), und selbst weltweit dürfte es gleich nach den Juden, Chinesen und Thais kommen - es war dies, wie bei den anderen genannten Völkern auch, die Voraussetzung für ihr fysisches und kulturelles Überleben unter Fremdherrschaft bzw. auswärtigen Bedrohungen. Und wie die alten Hellenen reagierten, als Iáson sich eine ausländische Frau aus Kolchis mit brachte und Bastarde mit ihr zeugte, kann sich Dikigoros lebhaft vorstellen. Um es kurz zu machen: "Das Volk" (damals sagte man "der Pöbel", im Zeitalter der "Demokratie" - was damals als Schimpfwort galt - sagt man wohl "die Bürgerinnen und Bürger") der Griechen erschlug die Bastarde, zwang ihre Mutter ins Exil und ihren Vater, in zweiter Ehe eine anständige Volksgenossin namens Glávki zu heiraten.

Moment mal, wird der klassisch gebildete Leser sagen, die Geschichte kenne ich doch ganz anders?! Ach so, ja, Gustav Schwab und Evripídis lassen grüßen - darf Dikigoros Euch trotzdem aufklären, oder muß er erstmal den Lesern, die unsere Story überhaupt nicht kennen, einen kurzen Überblick über diese "offizielle" Fassung geben? Also bitte, in drei Sätzen: Als Iáson mit dem Goldenen Vlies heim nach Iolkos kommt, denkt sein Onkel Pelías gar nicht daran, ihn wie versprochen an der Herrschaft zu beteiligen - schließlich ist er nicht standesgemäß mit einer Griechin verheiratet -, und aus Rache stiftet Médea seine Töchter an, ihren Vater umzubringen, woraufhin sie und Iáson (der an dem Komplott beteiligt war) von seinem Vetter Ákastos (Pelías' Sohn und Erben) des Landes verwiesen werden. Sie fliehen nach Korinth, dessen "König" (na ja, heute würde man sagen "Ortsvorsteher") Kréon (den Ihr sicher alle aus der Oidípous-Sage kennt) nach ein paar Jahren auf die Idee kommt, daß Iáson sich von Médea trennen und statt dessen seine Tochter Glávki heiraten sollte, was der auch brav tut. Aus Rache ermordet Médea nicht nur Glávkis, sondern auch die beiden Söhne, die sie (Médea) mit Iáson hat (ihn selber merkwürdigerweise nicht) und flieht nach Athen, wo sie später versucht, Thisévs ["Theseus"] zu vergiften; sie wird auch aus Athen vertrieben, und danach verliert sich ihre Spur. So so, eine hübsche Geschichte, die sich die Gelehrten da ausgesponnen haben - aber wohl doch etwas zu kompliziert für die doch recht schlichten Gehirne der alten Griechen. Richtig ist, daß es im alten Korinth einen Kult um eine Médea gab, bei dem Tiere (und früher wohl auch Menschen) zerstückelt und gekocht wurden, um später wieder aufzuerstehen. Diesen Kult hat man wohl mit der Geschichte, die uns hier eigentlich nur interessiert - nämlich die der Médea, die aus Kolchis fort gegangen ist, um mit Iáson in Griechenland zu leben -, in einen Topf geworfen, ordentlich umgerührt und dann eine von vielen Köchen verdorbene Blutsuppe (beliebte griechische Speise) heraus bekommen. In der schwammen dann also die Märchenmotive, daß die Töchter des Pelías ihren Vater zerstückelten und kochten, daß Iáson und Médea nach Korinth flohen und daß Médea ihre eigenen Kinder zerstückelte und kochte.

Das paßte außerdem nur zu gut in die griechische Greuelpropaganda gegen die bösen ausländischen Bárbaren (ein dankbares Motiv - noch im ersten Weltkrieg verwendeten es die Alliierten gegen die deutschen "Hunnen") - die ursprüngliche Fassung (die der historischen Wahrheit sehr viel näher kommen dürfte) war dagegen viel simpler:

(...)

Aber war das wirklich die ursprüngliche Fassung? Nein, die war wahrscheinlich noch viel blutrünstiger. Die Sage von den Argonavten, wie wir sie heute kennen, also in der Version des Apollonios Rhodios, geht nämlich auf eine viel ältere Sage zurück, die von den fünfzig Töchtern des Danaos. Wie Dikigoros darauf kommt? Nun, erstens baut auch jener Danaos - wie Iáson - unter Anleitung der Pallas Athene das erste Schiff mit 50 Rudern und rudert damit nach... Argos! Zweitens paßt der Name so viel besser, denn warum sollte Iáson, der aus Iolkos stammte, sein Schiff so nennen? Er und seine Männer müßten doch eigentlich "Iolkonavten" heißen! Wie dem auch sei, Danaos und seine 50 Töchter sitzen also in Argos, und Aigyptos, der Vater von 50 Söhnen, will letztere mit ersteren verheiraten. Ägypter mit Griechinnen - kann das gut gehen? Na klar, etwa so gut wie das mit Dodi und Diana gegangen ist (aber darauf kommen wir später zurück): Alle 100 werden miteinander verheiratet, und in der Hochzeitsnacht werden 49 der Männer von 49 der Frauen umgebracht. Nur die 50., Hypermestra, bringt das nicht über's Herz und läßt Lynkéus laufen.

(...)

Der Römer und die "Ägypterin"
CAESAR UND KLEOPATRA

Warum hat Dikigoros die Ägypterin hier in Anführungsstriche gesetzt? Weil Kleopátra gar keine Ägypterin war, sondern Griechin, noch genauer eine Makedonin, eine Nachfahrin des Ptolemaios, der wiederum ein Diadoche Alexanders des Größenwahnsinnigen war, der Ägypten mal erobert hatte. Auch Caesar sprach, wie alle gebildeten Römer seiner Zeit, Griechisch; das war auch notwendig, denn die Römische Republik - wie sie sich damals noch nannte - hatte sich inzwischen in einem Maße ausgedehnt, daß nur noch eine ganz kleine Minderheit der Bevölkerung den lateinischen Dialekt vom Tiber zur Muttersprache hatte; und irgend eine Umgangssprache mußte die gebildete Oberschicht ja haben.

(...)

Der Wessi und die Ossinesin
SIEGFRIED UND BRUNHILDE

"Denn wie soll eine anständige Frau
einem fremdländischen Ehemanne folgen?
Da wird mir bald gebracht das Leid!"
(3. Lied von Sigurd dem Fafnirstöter, 40.3-5)
[Sigurdarkvida Fafnirsbana thridja, "jüngeres Sigurdlied"]

Nanu, ein Zitat aus dem Munde Brunhildes? Und die soll eine Ossinesin sein? Kam sie nicht vielmehr aus Norwegen oder gar aus Island? Und wissen wir nicht spätestens seit Joachim Fernaus "Diesteln für Hagen", daß es im "Nibelungenlied" gar nicht um den Konflikt zwischen Siegfried und Brunhilde geht, sondern um den zwischen Krimhild und ihren Brüdern, die ihren Mann Siegfried ermordet haben, wofür sie Rache nehmen will? Wohl wahr, liebe Leser, aber darum geht es Dikigoros hier nicht - über das Nibelungenlied schreibt er an anderer Stelle. Hier geht es ihm um die altnordische Fassung der Sage, die von den Isländern als die Urgroßmutter ["Edda"] der Überlieferungen angesehen wurde (obwohl sie das schwerlich war); und in der spielen nun einmal Siegfried und Brunhilde die Hauptrolle. [Dikigoros behält diese Namen aus Gründen der Einfachheit bei, denn die Verfasser der Edda waren sich nicht einig, wie sie die beiden nennen wollten; er hieß meist Sigurd, und sie entweder nur "die Walküre" oder "Sigdrifa [die zum Sieg treibende]" oder "Brünhild"; nur Krimhild hieß durchgängig "Gudrun" (aber der Name war ja in Deutschland schon besetzt von einer anderen Sage, deshalb gab man ihr den Namen ihrer Mutter und benannte die letztere in "Ute" um). Keine Sorge, liebe Leser, Euch entgeht nichts - diese Fassung ist genauso blutrünstig und fast von den gleichen Interessen-Gegensätzen beherrscht wie die Euch bekannte. Denn - und mit diesem Paukenschlag müssen wir beginnen - Brunhilde ist da nicht irgendwer von irgendwo, sondern niemand geringeres als die Schwester des mächtigen Atli (den Ihr als "Etzel" oder "Attila" kennt). Wie kam es dann aber, daß Siegfried sie nicht an dessen Hof, sondern auf irgend einer obskuren Burg kennen lernte, auf der sie eingeschlafen war, so daß er durch die Waberlohe reiten und sie erwecken mußte? Die Psychoanalysten werden gleich an das Märchen von Dornröschen denken; aber die Parallelen sind eher dünn gesät: Brunhilde hat in der Schlacht einen Mann getötet, dafür sticht sie der Odin (der oberste germanische Gott, auch "Wotan" genannt) mit einem Schlafdorn, nach dem Motto: "Du sollst keinen Mann mehr töten, sondern einen heiraten und Kinder bekommen." Und heiraten soll sie nur den, der sie erweckt und vorher furchtlos durch die Flammen reitet. Das klingt schön, ist aber wahrscheinlich nur der Nachhall eines alten Brauchs, den wir heute noch bei manchen Naturvölkern finden, und der einer Übervölkerung vorbeugt: Wer noch keinen Feind getötet hat, darf auch keine eigenen Kinder in die Welt setzen; wer aber ersteres getan hat, sollte sich möglichst bald auch dem letzteren widmen - natürlich besonders als Frau.

Ihr haltet das alles für ein Märchen, liebe Leser, insbesondere die Sache mit der unbesiegbaren Jungfrau, die plötzlich all ihre Kraft verliert, wenn sie keine mehr ist? Nun, Ihr dürft das nicht vom heutigen Standpunkt aus sehen, und schon gar nicht vom Standpunkt der Leistungsspitze im Berufssport. Gewiß, der weltbeste Läufer, Weitspringer und Speerwerfer sind besser als die weltbeste Läuferin, Weitspringerin und Speerwerferin; aber die letzteren stecken noch immer die große Masse der männlichen Amateur-Sportler in die Tasche - es ist dies eine Frage der Ernährung, des Trainings, kurz der Lebensweise. Früher gab es da beträchtlich größere Unterschiede als heute: Die waffentragende Oberschicht hob sich schon körperlich enorm von der Unterschicht ab, denn nur ihre Angehörigen bekamen schon in jungen Jahren genügend tierisches Eiweiß, um groß und stark zu werden. (Legebatterien und Rinder-KZs gab es noch lange nicht; und die Jagd war bis in jüngste Zeit ein Privileg des Adels.) Wer sich immer nur von Kräutern und Beeren ernährte - und vielleicht mal etwas Hirse und Graupen (die modernen Getreidesorten gab es noch nicht, geschweige denn Kartoffeln) - blieb klein. Die durchschnittliche Körpergröße betrug bei Frauen 1,40-1,45 m, bei Männern 1,50-155 m; aber auch mit Größen zwischen 1,30 und 1,65 m lag man wahrscheinlich noch innerhalb der "normalen" Spanne. Wer kleiner war - das gab es offenbar auch, und nicht einmal so selten - galt als "Zwerg", wer größer war, etwa 1,80 m oder gar darüber, als "Riese". Wenn nun eine im Waffengebrauch geübte junge Frau aus der Oberschicht von 1,65 m auf einen alten Mann von 1,55 m traf, dann war es durchaus möglich, daß sie ihn besiegte, nicht nur auf dem Schlachtfeld (Brunhilde hatte im "zarten" Alter von 12 Jahren - oder, wie die Germanen sagten: Wintern - den alten König Helm-Gunnar erschlagen), sondern auch im sportlichen Wettkampf; und wenn das etwa im Rahmen einer Brautwerbung statt fand (die Hochzeit hieß bei den alten Germanen nicht umsonst "Brautlauf"), dann war das nur gut so, denn es verhinderte Mésalliancen zwischen irgendwelchen Pippifaxen und Frauen, die ihnen körperlich überlegen waren. Warum aber sollte nun die Frau diese ihre Kraft verlieren, wenn sie nicht mehr Jungfrau war? Ganz einfach, liebe Leser: Wer keine Jungfrau mehr war, war damals verheiratet, und eine verheiratete Frau war schwanger oder stillte, und zwar regelmäßig, jedenfalls so lange, bis an eine sportliche Karriere mit Wettkämpfen, in denen sie gegen Männer antreten konnte, aus Altersgründen nicht mehr zu denken war. Nur die Männer mußten bis zum bitteren Ende in den Kampf ziehen - ein anständiger Recke starb nicht aus Altersschwäche im Bett oder hinter dem Ofen, sondern er fiel auf der Walstatt und wurde anschließend von einer Walküre nach Walhall geholt, wo Met und Bier (nicht zu verwechseln mit dem Getränk, das heute diesen Namen trägt; das mittelalterliche Gebräu entsprach in etwa dem, was die Angelsachsen heute "Root Beer" nennen - Rezepte stehen in der "Edda") in Strömen flossen. Man[n] wurde also damals nicht allzu alt; dafür alterte man - und vor allem frau - schneller als heute, da einige noch bis Ende 30 bei den Jungen mithalten können; damals war frau mit 40 oft schon eine weißhaarige Großmutter - wenn sie dieses Alter denn überhaupt erreichte, denn eine anständige Frau starb zwar nicht auf der Walstatt, sondern im Bett, aber auch nicht an Altersschwäche, sondern an Kindbettfieber.

Folglich mindert auch bei Brunhilde der Verlust ihrer Jungfräulichkeit - sie hatte ja schon mit Siegfried geschlafen, nachdem der sie "erweckt" hatte - ihre Stärke im Kampf gegen Gunther keineswegs, weder auf dem Sportplatz noch im Bett - beide Male kann nur Siegfried sie überwinden. Nun ist Brunhildes Fall ein besonders tragischer, denn sie konnte offenbar keine Kinder bekommen - sowohl die Edda als auch die Thidreksaga schildern sonst die Verwandtschafts-Verhältnisse der Hauptpersonen, insbesondere ihre Nachkommen, minutiös: Krimhild hatte eine Tochter von Siegfried (an dem lag es also nicht!) und zwei Söhne von Etzel (und später noch einmal drei Kinder von ihrem dritten Ehemann); von Nachkommen Brunhilds erfahren wir dagegen nichts. Umso verständlicher war ihr Haß auf Krimhild - nicht weil die ihr Siegfried ausgespannt hatte, sondern weil die Kinder bekommen konnte, während Gunther und seine Brüder kinderlos waren - Siegfrieds Nachkommen würden also das Reich erben. Dieser objektive Tatbestand - nicht die alberne Geschichte aus dem Nibelungenlied vom Kirchgang zweier eifersüchtiger dummer Gänse - führt Brunhilde und die Königsbrüder zu dem Plan, Siegfried zu ermorden. Auch das geschieht viel simpler als Ihr es kennt, ohne undurchdringliche Hornhaut, ohne Lindenblatt zwischen den Schultern und ohne Kreuz, das aufs Jagdgewand genäht wird. Nein, der Siegfried der "Edda" war kein Drachentöter, er tötete bloß Regin und seinen Bruder Fafnir, zwei "Zwerge", die von Beruf Schmiede waren. Daher hatten sie wohl zum einen den "Nibelungenhort" (einen Unterschied zwischen Goldschmied und Hufschmied gab es noch nicht) und zum anderen die Kenntnis, wie man das Feuer beherrschen und als Waffe einsetzen kann - sie brauchten es nicht wie ein Drache aus den Nüstern zu pusten. Aber Siegfried - der selber Schmied gelernt hatte - ließ sich nicht schrecken und erschlug sie; und dann verbreitete er halt das Märchen von seiner Unverwundbarkeit - so etwas kann doch sehr praktisch sein! Allerdings hinderte das die Burgunder nicht, ihn hinterrücks zu ermorden, auch in der Edda nicht. Aber da gibt es einen wesentlichen Unterschied: Im Nibelungenlied tut es Hagen mehr oder weniger aus eigenem Antrieb; in der Edda dagegen rät ausgerechnet er vom Mord ab, als Gunther ihn dazu anstiften will; der stiftet daraufhin einen jüngeren Bruder an, der mit Siegfried noch nicht Blutsbrüderschaft geschlossen hat, also keinen Eid verletzen muß, und im Gegenzug prompt vom todwunden Siegfried erschlagen wird.

Moment mal, wofür braucht es dann überhaupt Krimhilds Rache, von der die ganze zweite Hälfte des Nibelungenlieds handelt? Gute Frage, liebe Leser, die sich selber beantwortet. Glaubt Ihr immer noch, es gehe hier ursprünglich, d.h. bevor der Nibelungenlied-Dichter den Stoff in die Finger bekam, um irgendwelche Gefühle, wie Geschwister- und Gatten-Liebe und Rache? Aber wenn nicht, schweift Dikigoros dann nicht vom Thema ab? Wo bleibt denn nun die Pointe, von wegen "die Mischehe ist an allem schuld"? Gemach, Gemach. Die Geschichte ist ja viel komplizierter, als Ihr sie aus dem Nibelungenlied kennt. Da heiratet Krimhild nach langem Zögern Etzel, lädt ihre Brüder, die Burgunder, nach Etzelburg ein und läßt sie dort - ohne Wissen und Wollen Etzels - erschlagen, um den Mord an Siegfried zu rächen. Aber in der Edda ist es genau umgekehrt: Etzel wollte das Burgunderreich ursprünglich dadurch an sich bzw. seine Schwestersöhne bringen, daß er Brunhild mit König Gunther verheiratete. Die ist zwar dagegen, aber nicht etwa aus "Liebe" zu Siegfried, sondern aus Liebe zu dessen Gold: Ihr Bruder droht, ihr den Erbteil ihres Vaters vorzuenthalten, wenn sie nicht heiratet, nach dem Motto: "Den bekommst du nur als Mitgift." (Nach germanischem Recht vollkommen korrekt: Eine Frau, die nicht heiratete und die Sippe fortsetzte, brauchte auch keinen Erbteil.) "Mir steht der Sinn mehr nach den vielen Schätzen, die Sigmunds Sohn [Siegfried] besitzt," gibt die pampig zurück [offenbar ist das mehr als das halbe Erbe ihres Vaters], "eines anderen Gold begehre ich nicht. Ich will den, der mit Gold auf Granis Rücken sitzt." [Ja, ein schönes schnelles Auto, pardon Pferd, ist auch wichtig. Grani ist Siegfrieds Ross und im ganzen Land als das schönste und schnellste berühmt - wer drauf sitzt ist eigentlich egal, aber da es nun mal Siegfried ist... Ihr seht, ganz so Unrecht hatte Richard Wagner mit seiner Interpretation des Sagenstoffes im "Ring des Nibelungen" gar nicht, wenngleich er wohl etwas übertrieben hat - aber das ist eine andere Geschichte.] Anschließend spricht Brunhild den Satz aus der 3. Zeile der Überschrift. Aber da Siegfried schon mit Krimhild verheiratet ist, nimmt Brunhild schließlich doch wohl oder übel Gunther zum Mann. Alles umsonst, denn sie bekommt wie gesagt keine Kinder - woran sie freilich nicht sich selber, sondern Gunther und seinen Brüdern die Schuld gibt: "Das Burgunderreich wird an Siegfrieds Erben fallen, wenn Ihr ihn nicht umbringt" sagt sie, "weil keiner von Euch Nachwuchs hat; dabei hatte Euer Vater Gjuki noch fünf Söhne gezeugt!"

Und warum folgt Brunhilde dann der Leiche Siegfrieds auf den Scheiterhaufen (die Szene, die Dikigoros als Anfangsbild ausgewählt hat), wie es heute noch brave Witwen in Indien tun, die keine gemeinsamen Kinder zu versorgen haben? Genau genommen nur, um das Andenken ihrer Intim-Feindin Krimhild noch weiter zu beschädigen, als es ohnehin schon ist; denn eigentlich, so bemerkt sie tadelnd, wäre es deren verdammte Pflicht und Schuldigkeit, ihm ins Feuer zu folgen. (Hier irrt Brunhilde freilich, denn für Mütter mit kleinen Kindern gilt das wie gesagt nicht; und Krimhild hatte von Siegfried eine Tochter namens Schwanhild, die erst viel später getötet werden soll - wegen ehebrecherischer Beziehungen zum Sohn ihres Mannes aus dessen erster Ehe.) Also muß der arme Etzel selber, hoch betagt und schon verwitwet, um Krimhild anhalten (im Nibelungenlied gibt es für diese Werbung überhaupt keinen vernünftigen Beweggrund!) und die Sache selber in die Hand nehmen. (Nein, natürlich nicht in die Hand, sondern... aber diese Seite soll ja jugendfrei bleiben :-) Auch bei Krimhild - der die Burgunder inzwischen den Nibelungenschatz abgenommen haben, den Siegfried einst Fafnir geraubt hatte - hat ein Argument durchschlagenden Erfolg: Etzel bietet ihr sein gesamtes Erbe (denn Brunhilde ist ja nun tot), und das ist offenbar mehr als der Nibelungenschatz. [Eigentlich ist es noch komplizierter, aber Dikigoros will Euch nicht allzu sehr auf die Folter spannen, sonst würde er Euch jetzt erklären, warum aus der eigentlich geplanten Doppelhochzeit - Gunther wollte in zweiter Ehe Brunhildes jüngere Schwester Oddrun (ein hübsches Wortspiel mit Gudrun, Krimhilds "echtem" Namen in der Edda, denn "odd" ist ja das genaue Gegenteil von "good"!) heiraten; aber Etzel will seine zweite Schwester nicht auch noch den Burgundern geben.] Die Verbindung ist auch sonst von Erfolg gekrönt - jedenfalls auf den ersten Blick: Krimhild bekommt von Etzel zwei Söhne. Als diese allmählich heran wachsen, spielt Etzel vabanque: Er lädt die Burgunder in sein Reich ein, unter dem Vorwand, er fühle sich alt und schwach, und die Kinder bräuchten ihre Onkel als Erzieher und Reichsverweser, wenn ihm etwas zustoßen sollte. Tatsächlich will er die burgundische Königsfamilie ausrotten, die Brüder seiner Frau ermorden und sich selber zum König von Burgund machen. Doch Krimhild durchschaut diesen Plan, und weit davon entfernt, sich auf die Seite ihres zweiten Mannes zu stellen, und völlig ungeachtet der Tatsache, daß ihre Brüder ihren ersten Mann ermordet haben, stellt sie sich auf deren Seite und läßt ihnen eine Warnung zukommen. Das Resultat ist bekannt: Die Burgunder kommen wohl bewaffnet, gehen mit fliegenden Fahnen unter und nehmen auch noch mehrere andere Stämme und Völkerschaften aus Etzels Herrschaftsbereich mit in den Tod; Krimhild tötet eigenhändig ihre und Etzels Kinder (im Nibelungenlied tut das Hagen - wiederum ohne jegliches nachvollziehbares Motiv, nämlich zu einem Zeitpunkt, als noch niemand den Burgundern etwas getan hat).

Wollt Ihr bestreiten, liebe Leser, daß all das nicht geschehen wäre, wenn Siegfried eine Frau aus Xanten geheiratet hätte - und wäre es auch die schlimmste Xanthippe gewesen (kleiner Scherz am Rande :-) -, Brunhilde einen von Etzels Mannen und Krimhild einen Burgunder? Sonst noch Fragen zur Mischehe? Was soll aber dann der boshafter Seitenhieb in der Überschrift auf Wessis und Ossis? Zugegeben, der bezieht sich nicht auf die Edda, sondern auf die Thidreksaga. Dikigoros folgt Heinz Ritter-Schaumburg darin, daß "Attila der Hunne" in Wirklichkeit "Atala der Hune" war, d.h. ein Herrscher über das heutige Niedersachsen und Westfalen nach der Völkerwanderungszeit; und der verdankte diese Herrschaft wiederum der Mitgift seiner ersten Frau, der Tochter des Herrschers von Ostfriesland - und bekanntlich sind ja die Ostfriesen die echten "Ossis" - nicht die blöden Sachsen und sonstigen Mitteldeutschen, auf die jene Bezeichnung später übertragen wurde. Zwar weicht die Thidreksaga hinsichtlich der Herkunft Brundhildes von der Edda ab - da ist sie gar nicht die Schwester Atalas, folglich auch keine Ostfriesin -, aber wie der Zufall es will, hat Ritter-Schaumburg auch ihre Herkunft lokalisiert, und zwar just am Nordostrand des Harzes - im heutigen Ossiland!

Der Brite und die Irin
TRISTAN UND ISOLDE

Was haben wir denn hier schönes? Einen Zaubertrank! Ja, liebe Leser, es soll auch heute noch Männer geben, die erstmal eine Portion Viagra schlucken und womöglich mit einer Dose Red Bull nachspülen müssen, bevor sie bei einer "bezaubernden" Frau einen hoch bekommen - aber ob das wohl eine gute Basis für eine Beziehung ist? Die meisten deutschen Leser werden die Geschichte von Tristan und Isolde wahrscheinlich von Wagner kennen - der sie ganz besonders verhunzt hat (doch das ist eine andere Geschichte); aber zum Trost: fast alle anderen europäischen Völker haben ähnlich verhunzte Fassungen, die sie jeweils für die besten und echtesten halten: die Deutschen den "Tristrant" von Eilhart von Oberg, die Franzosen gleich zwei - "Tristan" von Berol und "Tristan et Yseult" von Thomas, die Italiener das anonyme "Tristano e Isotta", die Spanier den - ebenfalls anonymen - "Don Tristan de Leonis", die Norweger den "Tristram" von Robert dem Mönch, die Engländer den - wiederum anonymen - "Sir Tristrem", und sogar die Serben ("Povest o Tristanu i Izoti") haben die Geschichte irgendwann mal abgeschrieben. Die meisten sind nur Fragmente, und das ist kein Wunder; sie haben nämlich allesamt beim mutmaßlichen Original abgeschrieben und die Geschichte so unendlich ausgesponnen, daß sie am Ende selber nicht wußten, wo sie enden sollte. Nur zwei sind einigermaßen fertig und daher am bekanntesten geworden - "Tristan e Isolde" von Gottfried von Straßburg und "La Morte D'Arthur" von Thomas Malory -; aber beide sind so schlecht gemacht und durch ihre Weiterspinnereien so weit vom Urstoff entfernt, daß wir sie besser ganz außer acht lassen.

Das mutmaßliche Original ist die zwar auf Norwegisch überlieferte, aber wahrscheinlich auf norddeutsche Quellen zurück gehende Thidreksaga, und in der kleinen Episode, die der Tristan-Stoff da nur einnimmt, liegt das eigentlich Grundproblem - aus dem sich alle weiteren dann ergeben - ganz offen zutage: Thidrek (der in Deutschland auch als "Dietrich von Bern" bekannt ist) findet zuhause keine Frau; also muß er sich im Ausland nach einer umsehen; da er jedoch zu jener Sorte Politiker gehört, die wir ja auch heute zur Genüge kennen, die keine einzige Fremdsprache beherrschen außer der Sprache der Waffen, macht er sich nicht etwa selber auf die Socken, sondern schickt statt dessen... Halt, hier muß Dikigoros etwas weiter ausholen; die Deppen, die den Stoff abgeschrieben und weiter gesponnen haben, haben nämlich erst einmal die Namen der handelnden Personen durcheinander gebracht, indem sie einfach die ersten besten nahmen, die im Kapitel "Herburg und Hild" (dem Kapitel gleich nach "Siegfrieds und Gunthers Heirat") nahmen: Isolde, die Schwester Thidreks, und ihren dritten Sohn von Graf Herthegn - Tristram. Der erschlägt eines Tages seinen zweiten Bruder im Zweikampf und flieht ins Exil zu Jarl Iron von Brandinaburg. (Wie wir später ganz nebenbei erfahren, ist seine Mutter Isolde gleich mit gegangen, denn ein paar Kapitel weiter ist sie mit jenem Jarl Iron verheiratet, übrigens ein schlechter Tausch für sie, obwohl der Jarl einer der schönsten Männer seiner Zeit gewesen sein soll; aber danach allein sollte man - und frau - bei der Partnerwahl halt nicht gehen: Obwohl sie alles für ihn tun, ihn unter anderem persönlich aus den Fängen seines Feindes Salomon befreien wird, wird er sie ausgerechnet mit der Frau ihres Onkels Aki betrügen, der in solchen Dingen gar keinen Spaß vertragen und ihn kurzerhand erschlagen wird.) Daraufhin wirft der Graf auch seinen ältesten Sohn Herburt hinaus, weil er seine brüderliche Aufsichtspflicht - ja, anders als bei den Juden des Alten Testaments galt bei den Germanen der Satz, daß der ältere Bruder seines jüngeren Bruders Wächter sei! - verletzt hat; und der findet Asyl bei Thidrek, seinem Onkel mütterlicherseits.

Solche lieben, aber lästigen Verwandten verwendet man gerne zu Botengängen, besonders wenn diese gefährlich zu werden drohen. Also schickt Thidrek diesen seinen Neffen - Herburt, nicht Tristram - ab nach Kassel, pardon ab nach Bertangen zu König Artus, um dessen Tochter Hild für ihn zu freien, die angeblich sehr schön ist - zu Gesicht bekommen hat sie freilich noch kein Bote, denn, wie König Artus knallhart formuliert: Ein anständiges Mädchen zeigt sich keinen ausländischen ("landfremden") Männern. Also tritt Herburt erstmal in seine Dienste - als Mundschenk -, und da er sich ja zeigen darf, wird er eines Tages von Hild gesehen. Der gefällt er, und sie arrangiert ein Treffen, bei dem er erzählt, weshalb er eigentlich her geschickt wurde, und... Halt, von da an gehen die Meinungen auseinander: Die einen sagen, daß der böse Herburt es von Anfang an selber auf Hild abgesehen hatte, deshalb seinen Onkel als den häßlichsten aller Menschen verleumdet hat und anschließend mit ihr über alle Berge gegangen sei. Der andere - und das ist, soweit ersichtlich, nur Dikigoros - nimmt mal ganz einfach den Text zur Hand und stellt dabei fest, daß diese Auslegung von den Quellen überhaupt nicht gedeckt wird: Vielmehr trägt Herburt der Prinzessin pflichtgemäß die Werbung seines Onkels vor und malt ihr aus, wie schön es wäre, wenn sie die Frau dieses reichen, großzügigen und mächtigen Königs würde. Aber die fragt nur: Kannst du mir mal ein Foto von dem zeigen, pardon, kannst du mir mal sein Gesicht aufzeichnen? Herburt tut's, und darauf sagt sie: "Bevor ich diesen Teufel heirate, heirate ich lieber dich, wenn du nur für dich selber um mich werben wolltest. Von allen Männern, die ich bisher gesehen haben, bist du mir am liebsten." Das sagt eine Jungfer, die bisher immer so eingesperrt war, daß sie praktisch noch keinen Mann gesehen hat, aber instinktiv spürt, daß sie mit dem flotten jungen Burschen besser bedient ist als mit einem alten Knacker von Onkel. Ist das kindisch und naïv? Natürlich ist es das, denn bloß weil jemand ein schicker junger Bursche ist, muß er nicht die bessere Partie sein als ein erwachsener Mann mit Einfluß und Vermögen. Aber nicht umsonst heißt das alte deutsche Wort für "um eine Frau werben", das Dikigoros hier bewußt gebraucht hat, "freien" - befreien aus der Vormundschaft des Vaters, die viel strenger gewesen sein muß als die des Ehemannes: die Ehefrau hatte bei den Germanen - zumal beim Adel - doch schon einige Rechte (wenn auch deutlich weniger als seit der Familienrechtsreform von 1975 :-) Die unverheiratete Tochter dagegen hatte so gut wie gar keine eigenen Rechte; das erklärt vielleicht, warum Hild keinen Ehemann im Alter ihres Vaters heiraten will, obwohl es objektiv riskant sein mag, mit einem jungen, nunmehr von allen geächteten Habenichts in die Fremde zu ziehen.

Aber Hild hat Glück, die Geschichte gibt ihr Recht: Ihr schicker junger Bursche ist - auch wenn er ihrem Vater als Mundschenk gedient hat - ein anderes Kaliber als die heutigen Diplomaten, die nur noch zum Schwenken von Sektgläsern taugen: Er legt sie gleich flach, um seine Männlichkeit unter Beweis zu stellen, dann erschlägt er zwei Dutzend Verfolger, die ihnen sein Schwiegervater zur Verfolgung nachgeschickt hat, und schließlich findet er einen anderen König, in dessen Dienste er tritt, wird dessen Kriegsminister ("Herzog" - die Thidreksaga bestätigt diese Herkunft des Titels; damals zogen die Herzöge bzw. Kriegsminister noch mit in den Krieg!), und dies mit großem Erfolg; sie lebten glücklich und zufrieden, und wenn sie nicht gestorben sind... Glück, das auf Lug und Trug basiert? Nein, liebe Leser, eben nicht - und das haben "die einen", von denen Dikigoros zuvor schrieb, allesamt übersehen, wohl auch, weil sie dieses Kapitel der Thidreksaga nie im Gesamtzusammenhang gelesen haben. (Merke: Germanisten sind Fachidioten :-) Thidrek war häßlich und hatte eine geradezu teuflisch anmutende Fratze - noch im Nibelungenlied sagt Hagen von Tronje das Dietrich von Bern bei ihrem letzten Kampf ins Gesicht - dieser Satz ist so eindrucksvoll, daß der Nibelungendichter ihn als einen der wenigen aus der Thidreksaga übernommen hat, die dort gar keinen Sinn mehr machen. Kein Wunder, daß Thidrek zuhause keine Frau zum Heiraten findet (er bleibt bis zuletzt unverheiratet - obwohl er nicht schwul ist, ab und zu wird berichtet, daß er mal mit einer Frau schläft) und sich auch nicht persönlich auf Brautschau begeben will. Dikigoros kann in Herburts Verhalten nichts Unrechtes sehen, und daher sei ihm sein Glück gegönnt.

*****

Wie kommen wir nun von dieser doch eigentlich recht erfreulichen Geschichte zu dem tragischen Märchen von "Tristan und Isolde"? Wie die Dichter dorthin gekommen sind, ist leicht nachzuvollziehen: Sie haben König Artus von Bertangen mit König Arthur aus der Gralssage gleich gesetzt, und der saß ja nach gewissen Überlieferungen in der Bretagne. Die Geschichte, mit der das ganze nun verknüpft wird, spielt zwar in Cornwall, aber auch dort soll Arthur ja mal gesessen haben (wo nicht, wenn es einem in die Überlieferung paßte?)! Und da ein Gral damals noch zu etwas anderem gut sein mußte, als bloß gut geputzt in der Vitrine herum zu stehen wie heutzutage ein Fußball-Pokel, und da man damals noch nicht verchristlicht genug war, um zu glauben, daß darin das Blut Jesu von der Kreuzigung aufgewahrt sei, mußte etwas anderes, sinnvolleres drin sein, nämlich ein Zaubertrank. (Ja, liebe Asterix-Fans, die Kelten bzw. Gallier hatten es schon immer mit den Zaubertränken!) Nun hat Dikigoros schon an anderer Stelle erklärt, daß es ursprünglich nur einen Zaubertrank gab, der sowohl die Liebeslust beflügelt als auch vorher die Hemmungen und hinterher das schlechte Gewissen vergessen läßt - gehört nicht das eine notwendigerweise zum anderen? Dikigoros kennt zwar das genaue Rezept nicht, aber er dürfte einen gehöriger Prozentsatz Alkohol enthalten haben. Nun scheinen das die braven Dichter des Hochmittelalters nicht mehr recht begriffen zu haben, deshalb konstruierten sie das Märchen von den zwei Mixturen, die verwechselt wurden, dem Liebestrank und dem Trank des Vergessens; und da ein Verwechseln ja nur versehentlich geschehen kann, mußte die Liebe zwischen Tristan und Isolde notwendigerweise ungewollt sein. Aber warum hätten sie sich nicht lieben sollen? Und nun kommen wir endlich zum Aufhänger, der Rahmenhandlung, denn die wurde offenbar aus einer wahren Geschichte entnommen, nämlich der Geschichte der Beziehungen zwischen Völkern und Stämmen Britanniens.

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Der Perser und die "Deutsche"
REZA UND SORAYA PAHLÄVI

Warum setzt Dikigoros hier die Deutsche in Anführungsstriche? Im Gegensatz zu Kleopátra - in deren Adern kein Tropfen ägyptischen Blutes floß - war Soraya Esfandiari doch zumindest halbe Deutsche (ihre Mutter Eva war Berlinerin); die deutsche Regenbogenpresse wurde nicht müde, darauf hinzuweisen, und bis heute vertreten einige die krause Theorie, der Shah hätte bewußt eine Deutsche geheiratet, um "Reputation" im Westen zu gewinnen. Da lachen ja die Hühner, pardon Pfauen: 1951, als die beiden ihre pompöse Hochzeit feierten, hatte Deutschland gerade den Zweiten Weltkrieg verloren (und die Fußball-Weltmeisterschaft noch nicht gewonnen), war zerstört und besetzt (aus Persien waren die alliierten Besatzer dagegen gerade abgezogen - woraufhin die Perser als erstes die britischen Ölgesellschaften enteignet und verstaatlicht hatten, von wegen Rücksicht auf den Westen!), das kommende "Wirtschaftswunder" ließ sich allenfalls von Hellsehern in Ansätzen erahnen, und überhaupt kam Soraya gar nicht aus Deutschland, sondern - aus Persien! Genauer gesagt aus Isfahan; sie stammte väterlicherseits aus der alten Fürstenfamilie Bakhtiari, die viel bessere Rechte auf den Pfauenthron hatte als der Emporkömmling Reza Pahlävi, dessen Vater die Nachkriegswirren genutzt hatte, um mit Hilfe einer russischen Söldnertruppe die Macht an sich zu reißen und die in Teheran residierende türkische Dynastie der Kadscharen (die ja auch bloß auf ein ausländisches Besatzer-Regime zurück ging) zum Teufel zu jagen. Reza I. war ein echter Landsknecht gewesen, ein Haudegen, der sich vom einfachen Soldaten erst zum Obristen hoch gedient und dann selber zum Shah-in-Shah [König der Könige, also Kaiser] gemacht hatte. Sein Sohn, der statt durch die harte Schule des Militärs auf eine feine Schule für höhere Töchter in der Schweiz gegangen war, hatte zwar die riesige Hakennase seines Vaters geerbt, aber außer diesem Zinken in nichts dessen Format; er war vielmehr ein Schlappschwanz, der sein Leben lang davon lief, schon wenn die geringsten Probleme auftauchten - erst recht wenn dabei Schüsse fielen. So ging Reza II. auch beim Heiraten den Weg des geringsten dynastischen Widerstandes, nahm in erster Ehe eine ägyptische Prinzessin zur Frau, eine Schwester König Farukhs, ließ sich, als der gestürzt wurde, scheiden und heiratete in zweiter Ehe das 17-jährige Gänschen aus Isfahan in der Hoffnung, daß die Kinder und Kindeskinder aus dieser Verbindung von allen Persern gleichermaßen als legitime Herrscher angesehen würden.

Ja, liebe ältere Leser[innen], Dikigoros weiß wohl, daß die Regenbogenpresse das immer anders dargestellt hat: Da war es beiderseits die große Liebe auf den ersten Blick usw. usw. Wenn Ihr das glauben wollt, lest bitte nicht weiter, sondern schreibt Dikigoros eine Email, warum diese Musterehe dann gescheitert ist - hätte der Shah nicht eine Nebenfrau nehmen und deren Kinder zu Thronerben bestimmen können? (Es war ja eine islamische Ehe unter Muslimen, in der das ohne weiteres möglich und damals auch noch üblich war!) Das Volk war dagegen? Ha ha - in Deutschland vielleicht, aber bestimmt nicht in Persien, dort war Soraya ebenso unbeliebt wie ihr Mann. Wenige Monate nach ihrer Hochzeit brach eine Revolution aus, und die beiden mußten nach Europa fliehen. Dort nahm man sie zwar mit offenen Armen auf (schließlich hatten sie noch beträchtliche Vermögenswerte bei Schweizer und anderen Banken) und reichte sie von Party zu Party weiter, aber helfen... das taten nur die Amerikaner, die damals noch nicht von dem tumpen Erdnußpflanzer Jimmy Carter regiert wurden wie während der nächsten Revolution, sondern von einem Kabinett der Skrupellosen, die über Leichen gingen (aber das ist eine andere Geschichte). Die schafften es, die Revolution im Iran (so nannte sich Persien zwar offiziell schon seit Mitte der 20er Jahre, aber erst jetzt wurde diese Bezeichnung allgemein gebräuchlich) verhältnismäßig schnell nieder zu schlagen, unter geringen Verlusten - glaubten sie jedenfalls. [Es war einer der schwersten außenpolitischen Fehler der USA und der mit ihnen verbündeten Briten in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts - neben der anfänglichen Unterstützung Castros in Cuba und dem vermasselten Einsatz am Suez-Kanal; der National-Sozialist Mossadegh, der die "Revolution" anführte, wäre wohl als einziger bereit und in der Lage gewesen, den islamischen Fundamentalismus im Iran ebenso gründlich auszurotten wie den aufkeimenden Kommunismus; der von den USA wieder eingesetzte Marionetten-Shah Reza war es nicht - er machte die Verstaatlichungen der Ölfelder, zu denen ihn Mossadegh gezwungen hatte, nicht rückgängig und sollte ein Viertel Jahrhundert später sang- und klanglos davon laufen, um das Land seinem furchtbaren Schicksal zu überlassen, unter dem es bis heute leidet. Aber den Westalliierten war Mossadegh suspekt, denn als sie Persien im Zweiten - wie schon im Ersten - Weltkrieg überfielen und besetzten, wagte der es als einziger, seine Stimme dagegen zu erheben. Auch er war übrigens dynastisch besser legitimiert als Shah Reza: sein Vater war ein iranischer Stammesfürst und seine Mutter eine kadscharische Prinzessin.]

Wie dem auch sei, das "Traumpaar" konnte bald wieder in seinen Teheraner Palast mit seinen Elfenbeintürmen einziehen. Seine Probleme waren damit freilich nicht gelöst: Soraya - die Ihr, liebe jüngere Leser[innen] wahrscheinlich nur als pausbäckige, alternde Lebedame kennt - war in jungen Jahren ein zerbrechliches, untergewichtiges Wesen, das zudem kurz vor der Heirat schwer an Tyfus erkrankt war und kaum die schwere Hofgarderobe tragen konnte, geschweige denn ein Kind. Der Shah gab ihr die berühmten sieben Jahre Zeit, dann ließ er sich scheiden und heiratete Farah Diba - die sofort Kinder bekam, an ihm lag es also nicht.

(...)

Der US-Ire und die US-Französin
JOHN UND JACKIE KENNEDY

Nanu, wie passen denn John und Jackie Kennedy in Dikigoros' Definition von einem "Traumpaar"? Sind sie nicht vielmehr dessen definitive Widerlegung? Beide waren Amerikaner, beide waren Katholiken, beide stammten aus gutem Hause, waren Millionenerben, klug, gebildet, studiert und und und? Und was sollte denn an ihrer Ehe gescheitert sein? War es nicht vielmehr eine Musterbeziehung, bis daß der tragische Martyrertod des großen Präsidenten sie schied? Pardon, liebe Leser, aber wer so fragt, zeigt damit nur, daß er noch hoffnungslos in den Propaganda-Märchen der 60er Jahre verfangen ist, denn von alledem ist kein Wort wahr, außer daß beide einen US-Paß hatten. Jacqueline Bouvier entstammte einem alten amerikanischen Adelsgeschlecht. Was, liebe Leser, Ihr glaubt nicht, daß es so etwas gibt? Dann seid Ihr, mit Verlaub, ebenso unwissend wie der olle Goethe in seinem albernen Gedichtchen "Amerika, du hast es besser", der auch glaubte, in Amerika gäbe es keinen Adel und keine Schlösser, weil er ganz einfach nie dort gewesen und auch sonst ein ziemlich unterbelichteter Schreiberling war, der kaum jemals über den Tellerrand seiner ossinesischen Wahlheimat hinaus geschaut hatte. (Doch, einmal hatte er sich Italien angesehen, freilich nur so, wie sich die meisten Hurenböcke heutzutage Thailand ansehen: in den Puffs.) Aber mit diesem Penner und seinen von einigen cleveren Verlegern posthum zur "Weltliteratur" hoch gejubelten Provinzpossen werdet Ihr Euch doch nicht auf eine Stufe stellen wollen? Ihr dürft Dikigoros getrost glauben, daß es in den USA, zumal an der "neuenglischen" Ostküste, sehr wohl einen Adel gibt - viel mehr als in Europa, wo er doch außer in den Klatschspalten der Regenbogenpresse kaum noch eine ernst zu nehmende Rolle spielt. Und zwar nicht nur das, was oberflächliche ausländische Betrachter als "Geldadel" bezeichnen - man kann (oder konnte) in den USA vielleicht in wenigen Jahren vom Tellerwäscher zum Millionär aufsteigen, aber nicht vom neuen Einwanderer zum alten Adel. Dieser Adel bestand und besteht aus etwa zwei Dutzend Familien, deren Vorfahren in die USA eingewandert waren, bevor Krethi und Plethi das auch taten, und die im Laufe der Generationen ein Vermögen erworben, bewahrt und vermehrt haben. (Ist das eigentlich eine schlechte Definition von Adel, liebe Leser? Denkt mal darüber nach und vergleicht es mit den "Verdiensten", für die jemand in Europa geadelt wurde!) Jackie's Urgroßvater - der übrigens nicht Katholik, sondern Hugenotte war, sonst hätte er doch keinen Grund gehabt, Frankreich zu verlassen! - hatte als Tischler die ersten großen Möbelmanufakturen in den USA aufgebaut und es so zu Ansehen und Vermögen gebracht.

Die Familie Kennedy dagegen zählte zu dem irischen Pöbel, der Mitte des 19. Jahrhunderts in Massen eingewandert war, als in ihrer Heimat die Kartoffelernte verhagelt, pardon verkäfert war und darob Hungersnot herrschte. Die meisten waren zwar dumm und versoffen, aber ansonsten fromme, ehrliche Naturen - die es deshalb (wegen der beiden letzten letzteren Eigenschaften, nicht wegen der ersteren!) nie besonders weit brachten: Wenn sie Glück hatten, wurden sie Polizisten oder Preisboxer, ansonsten malochten sie so vor sich hin und waren froh, wenn sie ihre Frauen und - meist zahlreichen - Kinder irgendwie durch brachten, bevor sie ins gut katholische Grab sanken. (Kennedy's Urgroßvater war nur zehn Jahre nach seiner Einwanderung an einer Cholera-Epidemie verreckt, aber er hinterließ immerhin fünf Kinder.) Im 20. Jahrhundert kam dann die Prohibition, d.h. das Alkoholverbot. Die Mafia übernahm es sogleich, die armen, durstigen US-Bürger illegal mit "Stoff" zu versorgen - Schwarzbrennerei und Schmuggel waren weitgehend in italienischer, d.h. meist in sizilianischer Hand. Aber es gab ein paar Ausnahmen. Eine dieser Ausnahmen war die Familie Kennedy. Und sie war auch insoweit eine Ausnahme, als sie die Gewinne aus dem Alkoholgeschäft nicht einfach versoff, sondern sie investierte - in politischen Einfluß. Mit Bestechung (und wohl auch mit Erpressung - aber diese Grenze ist ja in der Partei-Demokratie fließend, wie inzwischen auch die letzten Naivlinge gemerkt haben müßten) erwarben sie politische Ämter - Richter, Botschafter, Senator, und am Ende Präsident. Aber all das änderte nichts daran, daß John Kennedy nichts weiter war als der Sohn und Enkel von Kriminellen, des Räuberhauptmanns einer Bande von Alkoholschmugglern und eines durch und durch korrupten Parteibonzen, der selbst mit den heutigen Polit-Gangstern locker hätte mithalten können - und das will bekanntlich etwas heißen.

Als sich John und Jackie schließlich trafen, war ihre Situation nicht viel anders als... nein, wir brauchen keine Vergleiche, wir können die Dinge gleich beim Namen nennen: Kennedy hatte Geld und politischen Einfluß, soweit sich dieser kaufen ließ; aber für den letzten Erfolg seiner geplanten Karriere fehlte ihm (in einem Maße, das man sich heutzutage, vor allem in Europa, kaum noch vorstellen kann) die Heirat mit einer vorzeigbaren (das hieß damals schon - aber nicht nur - telegenen) Frau aus guter Familie, die gebildeter war als er selber (der sich seine Universitätsabschlüsse nur gekauft hatte, ebenso wie seinen Dienstgrad als Leutnant d.R.), ein gepflegteres Englisch parlierte (er selber sprach, wenn er nicht gerade mühsam eine von anderen Leuten aufgesetzte Propagandarede ablas, wie ein irischer Droschken-Kutscher) und vor allem gesund und belastbar war. (John litt seit seiner Geburt an einer kaputten Wirbelsäule und konnte nicht längere Zeit ohne Stützkorsett herum laufen - was der Öffentlichkeit peinlichst vorenthalten wurde, denn nach den katastrofalen Erfahrungen mit Roosevelt waren Krüppel und Erbkranke den amerikanischen Wählern auf absehbare Zeit nicht mehr vermittelbar.) Jackie (die ihrerseits immer geschickt zu verheimlichen verstand, daß ihre Mutter eine geborene Lee - also auch Irin! - war) hätte diesen Ritter von der traurigen Gestalt normalerweise nicht mit der Zange angefaßt, geschweige denn geheiratet (zumal sie auch mit seiner Familie nicht auskam - speziell mit seinen Schwestern war sie von Anfang an spinnefeind); aber sie war als verwöhntes junges Mädchen reicher Eltern aufgewachsen, und dann hatte ihr Vater fast sein ganzes Vermögen in der Depression der 30er Jahre verloren (worauf sich ihre Mutter prompt scheiden ließ - unter dem Vorwand irgendwelcher Seitensprünge, die sie zuvor nie gestört hatten); und da es nun mal leichter ist, sich von einer ärmlichen Lebensweise auf eine reichere umzustellen als umgekehrt, mußte auch Jackie sehen, wo sie finanziell blieb. So gesehen war John Kennedy eine gute Partie, und schließlich sagte sie ja - auf ihre Art nicht viel anders als eine arme Thai, die einen reichen Europäer heiratet, wenngleich man einräumen muß, daß es da doch beträchtliche Unterschiede gab: Kennedy heiratete nicht die Katze im Puff, pardon im Sack, sondern eine unbescholtene junge Frau, die nicht nur Französisch konnte, sondern auch fließend Französisch sprach (sie hatte in Paris studiert - das war sie ihren Vorfahren schuldig); und Jackie Bouvier heiratete keinen Angeber, der bloß im Dritte-Welt-Urlaub mit dem Geld um sich warf und zuhause den Geizkragen spielen mußte, weil er eben nur ein Hochstapler war, sondern jemanden mit wirklich gediegen gefüllter Brieftasche.

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Der Inder und die Italienerin
RĀJĪW UND SONIA GĀNDHĪ

Ist sie nicht ein Bild für die Götter? Irgendwie sieht Sonia Gāndhī doch viel "indischer" aus als ihr ermordeter Mann (übrigens auch als ihre gemeinsame Tochter Priyanka, obwohl die doch zumindest Halbinderin ist); sie spricht auch viel besser Hindā als er und nimmt die Religion und ihre Gebote viel ernster. Mag sein, daß das nur aus Berechnung und nur nach außen hin geschieht, wie ihre Feinde meinen (Dikigoros teilt diese Auffassung nicht); aber jedenfalls hätte man ihr die Rolle der Landesmutter eher abgenommen als Rājīw (dem sie nicht mal seine Mutter Indirā zutraute - die hatte sie eigentlich für seinen Bruder vorgesehen, der freilich noch vor ihm starb). Nun wird also Priyanka als politische Erbin ihrer Großmutter aufgebaut; Sonia, die "Ausländerin", hat verzichtet, so daß wir uns ganz auf die Geschichte ihrer Ehe konzentrieren können.

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Der Prinz von Wales und die Lady
CHARLES UND DIANA WINDSOR

Nanu - wollte Dikigoros hier nicht nur über Mischehen schreiben? Oder stimmt seine These etwa doch nicht ganz? Wie man's nimmt, liebe Leser[innen]. Wenn Ihr tatsächlich glaubt, die Tragik dieser letzten Beziehung läge in dem Scheitern der Ehe zwischen Charly dem wahrscheinlich (wenn überhaupt) letzten und dem dummen Gänschen von Spencer, das sich bis zuletzt ihr naives Kinder[garten]gemüt bewahrt hat, dann vermag Euch Dikigoros nicht zu folgen: Jedes Jahr werden im Westen Millionen Ehen geschieden, inzwischen fast jede dritte - was soll denn weiter tragisch daran sein, wenn es auch mal fast-gekrönte Häupter trifft? Nein, die Tragik liegt doch im gewaltsamen Tode der Diana Windsor, und der wiederum hing wohl weniger mit der Scheidung von Charly zusammen (die man ihr, wenn auch zähneknirschend, noch hätte durchgehen lassen), als vielmehr in ihrem Verhältnis zu "Dodi" - aber eine Überschrift "DI und DODI" hätte Dikigoros als unpassend empfunden, da die beiden ja nicht als "Traumpaar" in die Geschichte (und ins Firdaus) eingegangen sind, obwohl sie doch zusammen gestorben (und hoffentlich in die Hölle gefahren) worden sind. Wie liest es Dikigoros so oft auf klugen und moraltriefenden Webseiten: Es kann nicht gut gehen, wenn sich ein relativ alter Knacker ein junges, unerfahrenes Mädchen aus einer anderen (meist der so genannten "dritten") Welt ins Haus holt und sie heiratet - außer im Bett können die sich doch nichts zu sagen haben, und das reicht halt auf die Dauer nicht aus für eine funktionierende Ehe. Gewiß, gewiß. Aber wenn ein fast Vierzigjähriger eine kaum Zwanzigjährige aus dem selben Kulturkreis heiratet, ein studierter und gebildeter Mann von Welt und Berufspolitiker eine Kindergärtnerin, die nicht mal die Mittlere Reife geschafft hat und außer einem netten Lächeln nichts in die Ehe bringt (ach doch - sie war ja unschuldig, unberührt und unbeleckt :-), dann ist das o.k.?!? Nun, darüber kann man trefflich streiten: Immerhin hat die Frau ihrem Mann (und ihrem Land) zwei Thronfolger geschenkt, seine Seitensprünge mit einer alten Jugendfreundin (die viel besser zu ihm paßte) toleriert und ist ihren öffentlichen Repräsentations-Verpflichtungen anstandslos nachgekommen - was will man mehr? Ihre privaten Wehwehchen, ihre Freß-Kotzsucht und ihre Frigidität gehen doch verdammt nochmal niemanden etwas an.

Stimmt. Aber wie das so ist, bleiben Menschen mit dem Eintritt ins Eheleben nicht einfach stehen, sondern entwickeln sich weiter, die einen zu ihrem Vorteil, die anderen zu ihrem Nachteil. Ob an Charles noch viel zu entwickeln war, wagt Dikigoros zu bezweifeln; aber Diana entwickelte sich - und wie! Auch Soraya war, als sie den Shah von Persien heiratete, ein unbelecktes junges Ding; aber als ihre Ehe gescheitert war, akzeptierte sie die Scheidung und die Scheidungsfolgen - die nicht nur in einer üppigen Abfindung bestanden, sondern auch in der Verpflichtung, sich jeglichen öffentlichen Kommentars über ihre Ehe zu enthalten und vor allem keine Affären mit anderen Männern mehr anzufangen (oder jedenfalls nur so diskret, daß es nicht gleich am nächsten Morgen in der Zeitung stand). Nicht so Diana. Sie entwickelte einen ungeahnten sexuellen Appetit (den Charles bald nicht mehr stillen konnte) und sich selber vom unschuldigen Gänschen zum Vamp, trieb es mit jedem, vom Stallburschen bis zum Ordonnanz-Offizier; aber wie das so ist, macht häufig wechselnder Geschlechtsverkehr (der geneigte Leser möge Dikigoros seinen Juristen-Jargon verzeihen, aber das ist die korrekte, wenngleich sprachlich ungenaue Bezeichnung - genauer wäre "Geschlechtsverkehr mit häufig wechselnden Partnern") noch keine "Erfahrung" aus, weil man bzw. frau ja jedes Mal wieder bei Null anfängt - das ist wie ein Schachspieler, der über das auswendig gelernte Eröffnungsstadium nie hinaus kommt, weil er jede Partie aufgibt, noch bevor das Mittelspiel, in dem allein man richtige Spielpraxis erwerben kann, richtig begonnen hat (aber das ist eine andere Geschichte). So nimmt es nicht Wunder, daß das dumme, trotz allen Männerkonsums noch immer unreife Gänschen Diana eines Tages auf jemanden herein fiel (manche würden auch sagen: "sich in jemanden verliebte"), der ein ganz anderes Kaliber war und die Sache mit kühler Berechnung anging - etwa so, wie John Kennedy die Sache mit Jackie Bouvier.

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(Fortsetzungen folgen)

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