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DER RUF DER WÜSTE . . .
VON GÖTTINNEN UND EMANZEN
(oder: Freiheit wessen wovon wozu?)

[Göttin] [Sex-Göttin] [Emanze]
". . . seems it's always been the same:
getting paid for being lain, guess
that's the name of the game . . ."
[Medaille des Leipziger Herrenabends 1926] [Werbung für Wichsmädel Bohnerwachs 1956]

"Das Schreiben und das Lesen macht Mädchen widerlich -
der Mann, für mich erlesen, er liest einmal für mich!"

[er liest einmal für mich...]
EIN KAPITEL AUS DIKIGOROS' WEBSEITE
REISEN DURCH DIE VERGANGENHEIT
GESCHICHTEN AUS DER GESCHICHTE

Nein, liebe Leser, Dikigoros wird Euch hier nicht von echten Wüsten berichten, jedenfalls nicht von solchen, die er oder andere bereist hätten - es gibt andere Kapitel seiner "Reisen durch die Vergangenheit", in denen er über solche Wüsten schreibt, wie z.B. die Sonora, die Namib, die Atacama oder die Gobi. Aber "wüst" heißt ja ursprünglich "leer", und das kann nicht nur eine Landschaft sein, sondern "Leere" kann auch einen Geisteszustand beschreiben - nicht umsonst kennt unsere Sprache das Wort "sinnentleert". A propos: Was hat Dikigoros da bloß wieder für [un]sinnige, böse, chauvinistische Zitate ausgegraben? Nun, liebe Leser[innen], das zweite stammt von Schillers heute fast vergessenem Landsmann und Zeitgenossen Christian Friedrich Daniel Schubart (das war der Dichter des kurz vor Ausbruch der Französischen Revolution verfaßten und noch in Dikigoros' Kindheitstagen sehr populären Gedichts von der Forelle - welches übrigens das Thema mit dieser Reise durch die Vergangenheit gemeinsam hat, wenn man es genau und auch zwischen den Zeilen liest), der es einem jungen Mädchen in den Mund legte; das erste ist rund zwei Jahrhunderte jünger und steht in einem Song von Elton John ("Sweet Painted Lady" - den vollständigen Text, versehen mit einer Anmerkung von Dikigoros, gibt es hier) auf seiner wohl besten LP, "Goodbye Yellow Brick Road", aus der Dikigoros immer wieder gerne zitiert. Schließlich war es die Lieblings-Platte seiner Ex-Freundin Dagi, von der diese Reise hauptsächlich handeln soll. Dagis Mutter hatte mit solchen Sprüchen - abgesehen davon, daß sie kein Englisch konnte (zum Glück, sonst hätte sie sich bestimmt über sexistische Reklame wie diese oder diese furchtbar aufgeregt) - ganz und gar nichts am Hut. Vielmehr hatte sie, wie viele Nachkriegs-Mütter, die es gut mit ihren Töchtern meinten, und die sich noch erinnerten, welche Rolle die Nazis den Frauen zugedacht hatten, immer gesagt: "Kind, du sollst mal nicht als Heimchen am Herd enden und dich mit Kochtöpfen und Babywindeln herum ärgern müssen. Du sollst es mal besser haben als ich, etwas Vernünftiges lernen, damit du dereinst auf eigenen Beinen stehen kannst und nicht von einem Mann abhängig bist, bei dem du um Haushaltsgeld betteln mußt. Geh' zur Schule und lern' fleißig." Und die Schularbeiten kontrollierte sie täglich, und wehe, das Töchterchen brachte etwa schlechte Noten nach Hause!

Dagis Mutter hatte in vielem Recht (außer in Sachen Haushaltsgeld, das verwaltete - wie in fast allen Hausfrauen-Ehen ihrer Generation - sie selber und teilte ihrem Ehemann nur ein knapp bemessenes Taschengeld zu; aber das betrachtete sie als selbstverständlich): Während die Geld verdienenden Männer am frühen Abend - Samstags sogar schon am frühen Nachmittag! - nach Hause kamen, die Beine auf den Tisch legten und den Feierabend genossen - und den freien Sonntag sowieso -, fingt dann für die geplagte Hausfrau die Arbeit erst richtig an: Wenn der Mann nicht gerade eine so gute Stellung hatte, daß er über eine ausreichend lange Mittagspause und ein ausreichend hohes Gehalt verfügte, um "auswärts", d.h. in einem Lokal, essen zu gehen (aber davon konnte Dagis Vater nur träumen), mußte sie ihm morgens die Stullen fürs Mittagessen fertig machen (Schnell-Imbisse und Pommes-Buden gab es noch nicht, und Werks-Kantinen waren noch die Ausnahme), und abends mußte sie etwas Ordentliches kochen. Es gab noch keine Tiefkühlkost aus dem Supermarkt, geschweige denn Mikrowellen, um sie in ein paar Minuten aufzuwärmen, und Konserven waren unverhältnismäßig teuer. Ihr Mann hätte ihr auch etwas anderes erzählt, wenn sie es gewagt hätte, ihm so einen Fraß vorzusetzen; und wenn er "Dr. Oetker" hörte, assoziierte er damit vielleicht seinen Zahnarzt, aber bestimmt keinen Kuchen - der mußte selbst-gebacken sein, und selbst war nicht der Mann, sondern die Hausfrau!) Zum Glück war bereits der Gas-Herd erfunden, und fließend Wasser im Haus und Strom aus der Steckdose gab es auch schon. Dagis Großmutter hatte das Wasser noch aus einem Brunnen im Garten gepumpt, der im Sommer schon mal ausgetrocknet und im Winter schon mal zugefroren war; und für den Küchenherd und den Ofen - Zentralheizung gab es noch nicht, geschweige denn eine mit Heiz-Öl betriebene - mußte sie Kohlen aus dem Keller schleppen; Leute, die keine Kohle hatten - auch im übertragenen Sinn - mußten statt dessen in den Wald gehen, Holz hacken und es nach Hause schleppen, das war noch anstrengender. Oder halt frieren - in der Generation waren noch Menschen erfroren. Und die Hühner hatte sie noch eigenhändig groß gezogen, geschlachtet und gerupft. Wenn sie dann abends noch Muße hatte, vielleicht ein paar Zeilen zu lesen - meist in der Hausbibel - mußte sie eine Kerze anzünden, denn elektrisches Licht und Glühbirnen gab es noch nicht, jedenfalls nicht für "Normalverbraucher".

Aber auch Dagis Mutter, hatte für den anschließenden Abwasch noch keine Geschirrspül-Maschine, ebenso wenig wie für die Wäsche eine Wasch-Maschine oder einen Wäsche-Trockner - sie benutzte einen Bottich und ein "Waschbrett" - beide waren immerhin schon aus Metall. Hinterher mußte sie noch bügeln - natürlich gab es auch noch keine elektrischen Bügel-Eisen, sondern nur große, schwere Ungetüme, die mit heißen Kohlen gefüllt wurden. Und es gab viel mehr zu waschen und zu bügeln als eine Generation später, denn die Wegwerf-Windeln (welch eine Verschwendung!) waren noch nicht erfunden, ebenso wenig die permanente Bügelfalte, geschweige denn der Schlabber-Look, d.h. Hosen ohne Bügelfalten, in denen ein ordentlicher Angestellter oder Beamter nicht auf der Arbeitsstelle erscheinen durfte. Und wenn die Wohnung nicht ordentlich geputzt und aufgeräumt war (natürlich noch ohne elektrischen Staub-Sauger - wofür gab es Eimer, Putzlappen, Besen und Teppichklopfer oder Bohnerwachs?), fragte der Ehemann - der sich im Büro doch sicher einen schönen Tag mit Zeitung lesen, Kaffee trinken und Kollegen-Tratsch gemacht hatte - allen Ernstes: "Was hast du bloß den ganzen Tag getrieben?"

Dabei hatte Dagis Mutter noch Glück: Erstens bekam nicht jede Frau ihrer Generation überhaupt einen Mann zum Heiraten ab (junge Männer, d.h. solche unter 30, waren nach dem Krieg knapp, besonders halbwegs unversehrte - und einen "alten Knacker" wollte sie nicht), zweitens hatte er eine feste Arbeit (na ja, besonders gut bezahlt war sie nicht, etwas schneller befördert werden könnte er auch, aber immer noch besser als arbeitslos), und drittens machte er keinen Ärger, wie so viele andere Männer: Er trieb sich nicht mit anderen Frauen herum, er ging nicht mit anderen Männern in die Kneipe, er trank nicht (oder so gut wie nicht: unter der Woche gar nicht, und die 0,7-Liter-Bierflasche, damals noch wieder verschließbar mit Bügel und Gummi, hielt bei ihm ein ganzes Wochenende, die Kiste mit 20 Flaschen folglich fast ein halbes Jahr), er rauchte nicht (auch sie hatte es sich abgewöhnt, als die Kinder kamen und für solche Dinge kein Geld mehr übrig war), er schlug sie nicht, er schälte abends die Kartoffeln und putzte am Wochenende die Schuhe... Aber aus alledem schloß Dagis Mutter nur, daß es anderen Frauen noch schlechter ginge als ihr selber, und davor wollte sie ihre Tochter bewahren. Nein, sie sollte ihr auch nicht bei der Küchenarbeit helfen - am Ende würde sie noch lernen, einen Haushalt zu führen und sich dann doch in den sicheren Hafen flüchten, der für Mädchen ihrer Generation die Ehe noch war. Sie sollte nicht kochen und backen, sondern verdammt nochmal ihr Abitur machen und studieren, auch wenn's schwer fiel, basta.

Dagi hört auf ihre Mutter, und so wird sie fast ungewollt zu einem Bestandteil jener Frauen-Bewegung, die "Emanzipation" - ein Begriff, von dem ihre Mutter noch nie gehört hatte; zu ihrer Zeit sagte man "Suffragetten", vom englischen Wort für Wahlrecht, aber das ist ja inzwischen kein Thema mehr - auf ihre Fahnen (und z.T. sogar auf ihre Kaffee-Tassen :-) geschrieben hat. Eigentlich sind beide Begriffe falsch, oder zumindest ungenau: Das lateinische Wort "Emanzipation" bedeutet "mündig" werden im weitesten Sinne, z.B. wenn der Sohn volljährig und damit aus der Vormundschaft des Vaters entlassen wurde (die Tochter wurde das streng genommen nie, sie konnte allenfalls verkauft oder verstoßen werden - oder verheiratet; dann ging sie von der Vormundschaft des Vaters direkt in die des Ehemannes über, schließlich hieß das ganze ja nicht "Efrauzipation", ebenso wenig wie die Geschichte auf Englisch "Herstory" heißt, sondern vielmehr "History"; daran sollte sich auch nichts ändern, als zum ersten Mal eine Frau Vorsitzende der Tories und als solche sogar Premier-Ministerin wurde :-) Das englische Wort grenzt das Anliegen wie gesagt viel zu eng auf das Wahlrecht ein. Als Dagi jung war, d.h. in den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts, sagte man in den USA, dem weltweit führenden Lande der Frauenbewegung, richtiger "womens' lib[eration]", d.h. "Freiheit [oder Befreiung] der Frauen" - und danach hat Dikigoros auch den zweiten Untertitel dieser Reise durch die Vergangenheit gewählt und seine Eingangsfrage gestellt: Wozu das alles? Aber diese Frage kann man, pardon frau sicher nur individuell beantworten.

Dagi studiert, schafft mit Ach und Krach ihr Examen, macht ein Praktikum in Australien, stellt fest, daß es dort viel schöner ist als zu Hause unter Mutters Fuchtel (ja, auch deren Herrschaft über Haushalt und Kinder - und Familien-Budget - sollte mit der "Emanzipation" verloren gehen, aber das konnten die ach so "unterdrückten" Frauen damals noch nicht absehen) und sucht sich einen Job möglichst weit weg von daheim - in Berlin. Das ist damals noch fast Ausland, eine Insel inmitten der DDR. Eine Besonderheit dieser Insel ist es, daß es keine "Sperr-Stunde" gibt, d.h. die Kneipen und Lokale bleiben jeden Tag und jede Nacht rund um die Uhr geöffnet. In einer dieser Kneipen lernt Dagi Frankenstein kennen, einen halben Kollegen, dessen einziges Hobby (außer Saufen und Rauchen, aber das sind ja fast schon Pflicht-Übungen für einen Vertreter, jedenfalls kein echtes Hobby) Reisen nach Afrika sind. Er erzählt und erzählt: vom unberührten Urwald, von Löwen, Tigern und Elefanten... Die meisten dieser Reisen bezahlt sein Arbeitgeber, denn er ist ein tüchtiger Mitarbeiter - es ist nicht jedermanns Sache, den Kunden in den meist weniger gut betuchten Ländern der Dritten Welt noch deutsche Waren zu verkaufen, die eigentlich im Vergleich mit Konkurrenz-Produkten z.B. aus Fernost, die gerade auf den Markt zu drängen beginnen, viel zu teuer sind. Da soll er ruhig mal ein, zwei Wochen im Anschluß an eine anstrengende Geschäftsreise auf Foto-Safari gehen und sich entspannen, wenn es ihm denn Spaß macht... Vielen Leuten würde das keinen Spaß machen - besonders wohl behüteten Frauen nicht -, aber Dagi ist fasziniert. Gewiß, Frankenstein (der nicht umsonst so genannt wird - eigentlich heißt er nur Frank) ist kein schöner Mann, sieht noch älter aus, als er eh schon ist, und was er nicht im Kopf hat (d.h. im Kopf hat er durchaus genug, hat immerhin BWL studiert, aber der Rumpf ist halt einen Kopf zu klein geraten ) gleicht er durch seinen Bauch-Umfang wieder aus.

Immerhin, mit dem kann frau mal in aller Ruhe ein Bier trinken gehen, ohne daß er schon am ersten Abend mit ihr ins Bett will, wie all diese anderen Kerle, vor denen Dagis Mutter sie immer gewarnt hat: Männer wollen nur das eine, und das ständig... Dagi läßt die Reihe ihrer Verflossenen Revue passieren: Da war Schlumpfi, der Sohn des Bürgermeisters, klein, dumm, häßlich. Aber das störte sie gar nicht - im Gegenteil, solche Männer sind wenigstens nett, können sich nichts heraus nehmen gegenüber dem schwachen Geschlecht, müssen froh sein, wenn frau überhaupt mal mit ihnen ausgeht. Immerhin hatte er Humor, feste politische Grundsätze und das richtige Parteibuch, um später mal für ein paar Jahre seinen Vater zu beerben. Aber um Frau Bürgermeister zu spielen fehlte Dagi der Humor. Oder Baron Mickey Mouse, so genannt, weil er seine Doktor-Arbeit über besagte Zeichentrick-Figur geschrieben hatte (er war Germanist). Er war auch sonst ein ziemlicher Kindskopf, trotz seines vorgerückten Alters. Dagi gesteht sich selbstkritisch ein, daß sie auf ältere, minder bemittelte Schlappschwänze steht, die sind einfach pflegeleichter als so ein junger Hans-Dampf-in-allen-Gassen... Eine Ausnahme war mal dabei, "Hermann der Cherusker", so genannt, weil er groß, blond und blauäugig war wie sie selber. Aber als er ihr dann einen Heiratsantrag machte, ging ihr das denn doch zu weit. Er hatte ja sooo viele Nachteile: Erstens war er Jurist, und das sind meist unverträgliche Menschen (sie muß es wissen, denn sie hat selber auch Jura studiert und arbeitet jetzt als Vertreterin für Rechtsschutz-Versicherungen). Zweitens angehender Rechtsanwalt, und er wollte sich in einem kleinen Kaff niederlassen - das hatte sie lange genug gehabt; sie wollte endlich mal die Welt sehen, eine Weltstadt, wie Berlin! Und drittens und entscheidend: Dagi mochte seine Mutter nicht, so eine dominante Hausdrachin, der ihre mangelhaften hausfraulichen Fähigkeiten nicht entgangen waren und die sie das spüren ließ. Also machte sie Schluß mit Hermann, in aller Freundschaft - alle paar Jahre sehen sie sich noch und erzählen einander, wie es ihnen ergangen ist.

(...)

Fortsetzung folgt.

Und so sah der Karikaturist der Zeitschrift "LIFE" im Jahre 1913 die Führerinnen der Frauenbewegung:
[Militants 1]
"WIE SIE SIND"
[Militants 2]
"WIE SIE SICH SEHEN"
[Militants 3
"WIE POLIZEI UND LADENBESITZER SIE SEHEN"
(offenbar gingen schon damals bei Demonstrationen
Fensterscheiben zu Bruch, Anm. Dikigoros)

 

Frauen haben es in den 60er Jahren nicht leicht: heiraten? Wenn ja, immer später, keine Kinder

aber nicht mehr unberührt, sondern erfahren, immer früher.

Oder ihren Freundinnen: Zum Beispiel Trinchen, das war die brillanteste von allen. Keine Schönheit, aber durchaus interessant, aus wohlhabendem Elternhaus - eine gute Partie. Allerdings in manchen Dingen schon wieder etwas zu gut, und das mögen Männer bekanntlich nicht. Angesichts ihres Beispiels beginnt Dagi erstmals zu zweifeln, ob es einen Unterschied macht, von einem Ehemann abhängig zu sein oder von einem männlichen Vorgesetzten oder Arbeitgeber - oder auch nur Professor: Trinchen hat Philosophie studiert, ein glänzendes Examen gemacht, aber nun geht sie auf die dreißig zu, hat ihre Dissertation immer noch nicht fertig (sie ist ihrem Doktor-Vater wohl zu hoch), einen Job findet sie auch nicht, und alle verzweifelten Versuche ihrer Eltern, sie zu verkuppeln, scheitern entweder an der Ängstlichkeit der hoffnungsvollen Kandidaten oder an ihrem eigenen Dickkopf. Diese Zweifel werden bestärkt, wenn Dagi an Angela denkt: Die ist einfach mit ihrem alternden Doktor-Vater ins Bett gegangen (dessen Ehefrau daraufhin mit einem seiner Kollegen durchgebrannt ist, aber das war es ihm wert), hat für ihre grottenschlechte Schmiererei ein "summa cum laude" bekommen und jetzt sogar einen bequemen, gut bezahlten Job im Archiv. Aber so leicht will sie es sich denn doch nicht machen, sie nicht und ihre anderen Freundinnen. Gundula zum Beispiel pinselt noch immer an ihrer Doktor-Arbeit herum, hat schon über 500 Seiten zusammengetragen, kämpft verzweifelt darum, nicht so zu "enden" wie ihre eigene Mutter, die auch studiert hat, sogar ein besseres Examen gemacht als ihr Vater, und nun in einem kleinen Kaff versauert, wo er Verwaltungsbeamter geworden ist, ohne die Annehmlichkeiten des gesellschaftlichen Lebens, wie es einer Akademikerin ja wohl eigentlich zukäme.

Oder Anke. Die beißt sich durch, auch ohne mit ihren Professoren zu schlafen. Sie lernt Tag und Nacht, schaut nicht nach rechts und nicht nach links, schon gar nicht nach Männern, hat promoviert und will sich auch noch habilitieren, um eine der ersten Professorinnen in ihrem Fach zu werden. Und wenn frau sie fragt, ob es das denn wert sei, verweist sie nur auf Renas trauriges Gegenbeispiel: Die hat während des Studiums einen Mann kennen gelernt, sich unsterblich verliebt, und als der sie dann sitzen ließ, landete sie in der Klapsmühle. Dagi verdrängt das gerne, denn Rena war, als sie noch das unbekümmerte junge Mädchen von nebenan war, ihre beste Freundin. "Der ist in erster Linie ihre große Oberweite zum Verhängnis geworden," bemerkt Anke, die solche Probleme nicht kennt - ihre Flucht in die Arbeit hat wohl auch etwas mit den Trauben zu tun, die ihr zu hoch hängen... Und die, die nicht studiert haben? Moni, Betti und Hilde, die Drillings-Schwestern, hatten von Haus aus kein Geld und auch keine Lust, sich die Studiererei anzutun. Dagi ist mit ihnen schon in der Kindergarten gegangen, dann zur Volksschule und aufs Lyzeum. Sie sind weder dümmer noch fauler noch häßlicher als diejenigen ihrer Freundinnen, die auf die Universität gegangen sind, aber ob sie da so viel versäumt haben? Hilde, die hübscheste, hatte doch angefangen zu studieren, dann einen jungen Mann kennen gelernt (was auch der eigentliche Sinn und Zweck ihres Studiums war), der Diplomat werden wollte. Er hatte zwar von Haus aus kein Geld, war aber intelligent und gut aussehend, da schlug Hilde zu: Sie heiratete ihn, ging für ihn arbeiten, finanzierte sein Studium, und eines schönen Tages wurde er beim Auswärtigen Amt angenommen. Drei Tage später reichte er die Scheidung ein... Betti, die intelligenteste (und vielleicht auch klügste?) hat eine Ausbildung zur Finanzinspektorin gemacht, ist inzwischen Beamtin auf Lebenszeit und braucht keinen Mann - sie steht auf eigenen Beinen mit ihren Balkonblumen und Haustieren: Hunden, Katzen, Wellensittichen (oder sind es Kanarienvögel? So genau können die Akademikerinnen das nicht auseinander halten) und einem fetten Hamster. Moni, die dümmste, hat gleich nach dem Abitur geheiratet, einen kleinen Oberinspektor in Posemuckel, und bekommt jedes Jahr ein Kind. Dagi rümpft die Nase.

Und nun kommt also dieser Frankenstein daher und... Nein, gar nichts und. Dagi packt ihre Koffer und fährt erstmal zurück nach Australien. Dort sind die Frauen schon lange emanzipiert.

Australien: Frauen müssen/dürfen selber arbeiten

in Thailand auch: dort müssen auf den Strich gehen

in Indien: pfui, Väter und Brüder müssen Mitgift aufbringen

Südeuropa: Matriarchat: kleines Gänschen, das nicht nur dem Sternzeichen nach Jungfrau ist, eine Kindfrau mit flachen Brüsten und Untergewicht, die bis Ende 30 aussehen wird wie eine 16-jährige.

Pah, denkt Dagi, die kleine Schlampe tut ja auch Sachen, die eine anständige Frau wie sie selber nie tun würde; da ist es ja kein Kunststück, technisch "unberührt" zu bleiben. Aber ihr Brüderchen muß ja wissen, was er sich da ans Bein bindet - mal sehen, wie lange er braucht, bis er geschieden ist. (Aber Dagi irrt; sie wartet bis heute auf das Mandat.)

Dagi selber geht dagegen bald auf die 2 Zentner zu, denn zu ihrer Selbstverwirklichung und zu ihrer Lebensqualität gehört es halt, gut zu essen und zu trinken, und zwar so lange wie es schmeckt.

...

In Nordafrika werden Frauen beschnitten - wozu? Damit sie nicht zu geil sind. Die Europäerinnen brauchen das nicht, die sind eh frigide. Trotzdem tun sie es: Dicke Möpse aus Silikon, Piercings, Elektrolyse-Epilation und beschnittene Schamlippen, um jünger auszusehen (wie paßt das zu den Möpsen?) Was bei den einen "Verstümmelung" und "Unterdrückung" ist, ist bei den anderen "Selbstverwirklichung" (na klar, sie wollen mehr ihre Geschlechtsgenossinnen als die Kerle beeindrucken) und "Menschenrecht am eigenen Körper" (wie die Abtreibung - die in "macho"-Staaten verboten ist - pfui!) Lesbisch und schwul zu sein ist "in".

Von einem Mann abhängig sein und um Taschengeld betteln. Von einem Arbeitgeber abhängig sein und um eine Gehaltserhöhung betteln? Egel, sie kommt mit wenig Gehalt aus - ihr Chef beutet sie zwar aus und gibt ihr immer die undankbarsten Fälle (die, die sowieso verloren gehen, damit er sich nicht vor Gericht blamieren muß)...

Frankenstein zieht das große Los und wird dort ein Arbeitskollege von Dikigoros' Freund Melone - aber das ist nur eine der Quellen dieses Berichts. Denn Dikigoros kennt auch Hermann den Cherusker, mit dem er zusammen studiert hat; und last not least ist da noch Erika, Dikigoros' Frau. Deren Onkel, der jüngere Bruder seiner Schwiegermutter, hat in zweiter Ehe eine Rheinländerin mit weit verzweigter Sippschaft geheiratet, und deren Schwester (Dikigoros hat wieder vergessen, die wievielte) hat, ehrbar verwitwet, in zweiter Ehe den Vetter... Nein, das wird zu kompliziert und tut ja auch nichts zur Sache. Kurzum: Dagi und Erika sind auch noch verschwägert. Die Welt ist klein...

wo ist denn der Unterschied? Eine Prostituierte vermietet sich nur, eine Ehefrau verkauft sich, das ist doch noch schlimmer. Und als das Verschuldensprinzip bei der Scheidung abgeschafft wird, verschwinden diese Unterschiede doch eh: Jede Ehefrau kann sich ohne Angabe von Gründen jederzeit scheiden lassen, und der dumme Mann muß zahlen, auch wenn sie ihm Hörner aufgesetzt oder ihn böswillig verlassen hat. Und die Kinder bekommt sie sowieso, auch wenn sie eine Rabenmutter ist - der Mann bleibt sein Leben lang in Schuldknechtschaft. Kein Wunder, daß die einmal gebrannten Kinder (die manche Männer nun mal ihr Leben lang bleiben) ins Ausland gehen, um sich dort vermeintlich "liebere" und bravere Frauen zu suchen... Aber auch das werden Dagi und ihre Kolleginnen zu verhindern wissen...

spezialisiert sich darauf, Mädchen aus der 3. Welt... arme Verfolgte, ausgebeutet von ihren bösen deutschen Ehemännern und mit der Drohung auf Scheidung erpreßt, wenn sie nicht gehorchen, weil sie ja in den ersten Jahren kein eigenes Aufenthaltsrecht...

Daß nicht die Frauen - z.T. ganz abgefeimte, berechnende Biestern, sondern die armen deutschen Liebeskasper, die so dumm sind, sie zu heiraten und dann bis an ihr seliges Ende versorgen müssen (und darüber hinaus, wegen des Erbrechts) kommt ihr nicht in den Sinn, ebenso wenig...

Daß sie den Abschaum der Schmarotzer(innen) dieser Welt ins Land holt, wie ihre Kollegen ihr vorwerfen, kommt ihr nicht in den Sinn - die sind doch bloß neidisch auf die schönen Mandate!

Besser ein Mann als gar kein Ärger...

Wie im alten Rom: Jungfrauen durften nicht hingerichtet werden, aber...

(...)

Und so geht denn die Hoch-Zeit der Emanzipation und der Frauenbewegung zuende, und die Verliererinnen dieser Entwicklung - die Frauen, die unverheiratet geblieben, verwitwet oder geschieden sind - treffen sich regelmäßig zu mehr oder weniger verbitterten Diskussionsrunden reihum. "Es wird ja immer schwieriger, einen Mann zum Heiraten zu finden," meint A, je älter wir werden. Die Männer wollen doch nur Frischfleisch, und wenn sie ihren Spaß hatten, lassen sie sich scheiden und nehmen sich 'ne jüngere, selbst wenn sie selber schon jenseits von Gut und Böse sind und kaum noch einen hoch bekommen. Und wenn sie hier nichts finden, importieren sie was aus der Dritten Welt, Hauptsache jung und dumm, die widersprechen nicht. Was haben uns unsere Mütter bloß für einen Scheiß erzählt: Verlaßt Euch nicht auf die Männer, sondern seht zu, daß Ihr auf eigenen Beinen stehen könnt. Und nun? Im Beruf werden wir trotzdem zuerst gekündigt, und das ist nach unseren Gesetzen auch noch rechtens, denn Familienväter dürfen natürlich aus sozialen Gründen nicht oder wenn, dann nur ganz zuletzt gekündigt werden, auch wenn sie viel schlechter arbeiten." - "Aber was hatten wir denn für Alternativen?" meint B, "als ob wir nach der Schule ohne weiteres eine gute Partie hätten machen können. Die Reichen haben schon immer unter einander geheiratet; und um einen armen Mann zu heiraten, der dann selber arbeitslos ist..." - "Es muß ja nicht gleich ein Millionär sein; aber man hätte ja mit 18 oder so jemanden heiraten können, der zumindest schon mal beruflich Fuß gefaßt hat, auch wenn er, sagen wir, 10 Jahre älter ist, da wäre man wenigstens versorgt gewesen; und wenn er dann hinterher Ärger gemacht, hätte man sich scheiden lassen, nach der Familienrechtsreform von 1975, eine schöne Abfindung bekommen und Unterhalt, und hätte jetzt keine Sorgen. Was waren wir blöd..." - "So einfach ist das gar nicht," sagt Dagi, "die Männer jammern zwar immer, daß sie bei der Scheidung abgezockt werden, aber diejenigen, die Grund dazu haben, sind eher Einzelfälle. Glaubt mir, ich mache oft genug Scheidungssachen, in denen die Frau noch drauf zahlt. Überleg' doch mal: Entweder sie heiratet einen reichen Sugar-daddy. Selbst wenn der ganz blöde ist und nicht auf einen Ehevertrag besteht, der ihre Unterhaltsansprüche stark einschränkt, bekommt sie bei der Scheidung womöglich gar nichts raus: Der Millionär ist ja schon Millionär, wenn sie ihn heiratet, die Millionen sind also Anfangsvermögen, das wird beim Zugewinnausgleich nicht berücksichtigt; und da diese Art Millionäre es meist auch nicht nötig hat, weiter zu arbeiten - oder wollt Ihr einen Manager, der mit seiner Firma verheiratet ist und sich um Euch nicht kümmert? - erzielt er auch keinen weiteren Vermögenszuwachs, so daß Ihr Euch auch beim Zugewinnausgleich die Nase wischt. Und da solche Leute für gewöhnlich auch nicht in eine Rentenkasse einzahlen - Ihr das vielleicht aber doch getan habt, wenn Ihr vorher ein paar Jahre gejobbt habt, zahlt Ihr ihm an Ende noch Versorgungsausgleich." - "Und der Unterhalt?" - "Kommt drauf an. Wenn Ihr eine Berufsausbildung und vorher gearbeitet habt und nicht gerade alters- oder krankheitsbedingt nicht arbeiten gehen könnt - aber wenn Ihr alt und krank wäret, würde Euch kein Sugar-daddy heiraten -, könnt Ihr darauf verwiesen werden, Euren Lebensunterhalt selber zu verdienen." - "Es sei denn, wir haben Kinder." - "Ja, aber die alten Knacker haben meist schon welche aus erster Ehe und wollen keine mehr; und wenn Ihr es Euch mal recht überlegt - wollt ihr welche, wenn ihr sie nachher alleine erziehen muß? Dann kann ich wirklich aufs Heiraten verzichten, mir die Kinder von einem jungen, flotten Wuschelkopf machen lassen und anschließend Stütze vom Sozialamt abholen." - "Ich will aber nicht auf Sozialhilfeniveau leben - oder war das nach deiner Meinung der Sinn der Frauenbewegung?" - "Tja, der Königsweg ist natürlich, in jungen Jahren einen jungen Mann zu finden, der zwar noch nichts hat und noch nichts ist, aber das Zeug dazu; wenn man sich mit dem zusammen etwas aufbaut und er hinterher abhaut und sich 'ne Jüngere sucht, muß er wenigstens Halbe-Halbe machen."

(...)

Rhodesien/die Ruinen von Zimbabwe

Südafrika

Südwestafrika/die Wüste Namib

Zambia

Istanbul/Kandy/Konferenzen

Frauen in anderen Ländern/Asylantinnen

Frankenstein II

Freundinnen in Deutschland II

Lise Meitner

Madame Curie

Einstein

Beate Rotermund geb. Köstler, verw. Uhse

Elli Rosemeyer geb. Beinhorn

Melitta Gräfin Schenk v. Stauffenburg, geb. Schiller

Hanna Reitsch

Betty Friedan

Bella Abzug

Alice Schwarzer

Gaschke: Die Emanzipationsfalle - erfolgreich, einsam, kinderlos