Euzkadi ta Azkatasuna
. . . und seine Freiheit
[Baskenland Provinzen]
"Es gibt ein fortwährendes Umwandeln und Arbeiten an der Moral,
Das bewirken die Verbrechen mit glücklichem Ausgange."
(Friedrich Nietzsche, Morgenröthe 98)
"Der Staatsräson ist es niemals darauf angekommen,
eine anmutige Volte zwischen Ursache und Wirkung zu schlagen.
Das schlechte, jedoch umso denkfaulere Gewissen der Welt,
die Presse der jeweiligen Machtgruppen
und das durch sie verschnittene Hirn ihrer Leser,
haben das Ding immer nur so gedreht und verstanden,
wie sie es gerade brauchten." (Franz Werfel)
"Zum Terroristen wird man nur durch Fehlschläge.
Gelungene Terrorakte führen ins Reich der legitimen Macht."
(Nelson Rolihlahla Mandela, Xosa-Häuptling aus Umtata)

EIN KAPITEL AUS DIKIGOROS' WEBSEITE
REISEN DURCH DIE VERGANGENHEIT
GESCHICHTEN AUS DER GESCHICHTE

Vorwort, das eigentlich ein Nachwort sein sollte:
Als alter Mann blickt Dikigoros auf seine Lebensreise und auf die Reisen seines Lebens mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurück. Weinend, weil er noch mit erleben muß, wie eine weltweite Verschwörung von Politverbrechern (nein, das ist keine Verschwörungs-Theorie, sondern die Praxis!) ihren Untertanen zunächst jegliche Reisemöglichkeiten - erst die über Staatsgrenzen hinweg, dann auch im Inland - und dann sogar den persönlichen Kontakt zu Freunden, Verwandten und Bekannten genommen hat, unter dem Vorwand einer immer wiederkehrenden Grippe-"Pandemie", die gar keine ist, sondern lediglich eine Umbenennung der seit Menschengedenken in jedem Frühling und in jedem Spätherbst auftretenden, mehr oder weniger harmlosen Grippewellen. Und niemand steht dagegen auf. Dikigoros hat sich entschlossen, das an den Anfang dieser seiner ersten Auslandsreise zu stellen - obwohl es zeitlich ganz ans Ende gehörte -, weil es hier um die Frage geht, wie weit das Recht zum Widerstand gegen die Unterdrücker geht, ob und wie weit Staatsterror mit Gegenterroror bekämpft werden darf, mit anderen Worten: welcher Zweck welche Mittel heiligt rechtfertigt oder nicht oder doch.

Und mit einem lachenden Auge, denn eigentlich war die Zeit seiner großen Reisen eh vorbei, weil man ab einem gewissen Alter die Strapazen von "Entdeckungsreisen", wie er sie zu unternehmen pflegte, nicht mehr so leicht verkraftet, also werden sie erst weniger und kürzer, und am Ende schlafen sie ganz ein. Aber Dikigoros hat ja auch (fast :-) alles gesehen, was er jemals sehen wollte, denn in seinen jungen Jahren war die Welt noch frei, und man konnte ihren größten Teil halbwegs gefahrlos bereisen. Als ein alter Studienfreund anno 2019 - ziemlich genau ein Jahr, nachdem sich die Organisation, von der hier im folgenden hauptsächlich die Rede sein soll, aufgelöst hatte - nach drei Jahrzehnten aus Südostasien zurück kehrte, wo er es ob der zunehmenden Islamisierung und Verfolgung von Nicht-Muslimen bei aller Liebe nicht mehr aushielt, da äußerte dieser hinter vorgehaltener Hand, daß er in der BRD ja vom Regen in die Traufe gekommen sei angesichts der Invasion von Millionen und Abermillionen militanter Muslime, die nicht nur mit Billigung, sondern sogtar auf ausdrückliche Einladung des Berliner Verbrecherregimes ins Land geströmt waren. Doch nach ein paar Stunden des Gedankenaustausches und Auffrischens alter Erinnerungen meinte er resigniert: "Weißt du, Niko, wir können uns damit trösten, daß wir die wahrscheinlich besten Jahre nicht nur der deutschen, sondern der Geschichte überhaupt mit erlebt haben; und wir haben sie genutzt. Nach uns die Sintflut." Ein paar Monate später segnete er das Zeitliche. Im Totenschein stand als Todesursache: "CoVid19-Grippe", wie in allen Totenscheinen seit dem Frühjahr 2020, egal welches die wahre Todesursache war - die Obrigkeit zwang die Ärzte zur Falschbeurkundung, widrigenfalls ihnen Entziehung der Approbation drohte, denn sie brauchte die falschen Zahlen für ihre getürkten Statistiken zur "Rechtfertigung" ihrer Unterdrückungsmaßnahmen, die allmählich immer härter wurden - härter als jemals in der Geschichte der menschlichen Zivilisation irgendwo auf der Welt.

Dikigoros kann das beurteilen, denn er hat auf seinen Reisen viel Unterdrückung gesehen und auch viele Klagen darob gehört. Und er hat viele Länder und Völker kennen gelernt, große und kleine. Die letzteren hatten oft das Pech, an mächtige Nachbarn zu geraten, die sie entweder ausrotteten oder "schluckten" oder - wenn es mehrere Nachbarn waren - unter sich aufteilten. Über einige davon hat er an anderer Stelle geschrieben, z.B. über die Kaschmiri, die Tibeter, die Ukraïner, die Armenier und die Iren, über andere eher am Rande, und über manche gar nicht. Aber das erste dieser kleinen Volker, über das er etwas erfuhr, lernte er kennen, ohne hin zu fahren, nämlich auf seiner ersten Auslandsreise nach... nein, die genaue Bezeichnung des Reiseziels stellen wir noch etwas zurück. Eigentlich sollte er besser "Auslandsaufenthalt schreiben, denn die "Reise" bestand nur aus einer Eisenbahnfahrt zu seinem Aufenthaltsort und wieder zurück. Er war 17, und seine Eltern hatten auf Anraten seines Französischlehrers beschlossen, ihn in den großen Ferien zwischen Obersekunda und Unterprima auf einen Sprachkurs zu schicken, damit er seine Französischkenntnisse verbesserte. Und zwar an eine Sommerschule, die nicht nur "international", sondern deren Klassen gezielt so gemischt waren, daß nicht mehrere Angehörige der gleichen Nation zusammen hockten und sich dann in ihrer Muttersprache unterhielten - denn das wäre dem Erlernen des Französischen nicht eben förderlich gewesen. Selbstverständlich durfte auch in den Gastfamilien niemand etwas anderes sprechen können als Französisch - damals hatte noch nicht jeder Englisch auf der Schule gelernt -, was zwar die Unterbringung in Kreisen mit "höherer Bildung" de facto ausschloß, aber das war nicht weiter tragisch; die Unterschicht hatte überdies den Vorteil, Gastschüler auch gegen geringeres Kostgeld aufzunehmen, und "akademisches" Französisch konnte man ja im Schulunterricht lernen... {Nachtrag/Vorgriff: Diese Sommerschule gab es noch bis ins Jahr 2019. Erst 2020 mußte sie wegen der angeblichen "Corona-Pandemie" ihre Pforten schließen. Auf ihrer Webseite entschuldigte sie sich für diesen vermeintlich einmaligen Ausfall und schloß mit dem Satz: "Rendez-vous l'année prochaine", also "Auf Wiedersehen im nächsten Jahr." Da ahnte man wohl noch nicht, daß es ein Nimmerwiedersehen sein sollte, da die CoVid-Diktaturen eine Rückkehr zur Normalität nie wieder zulassen würden. Es war das Todesurteil nicht nur für die Sommerschule, sondern für die ganze Stadt, die fast ausschließlich vom - nun verbotenen - Tourismus gelebt hatte.}

Das leuchtete Niko durchaus ein. Was ihn allerdings befremdete war, daß in seiner Klasse gleich drei Mitschüler[innen] aus Spanien kamen. Also ging er der Frage nach, weshalb die eine Extrawurst gebraten bekamen. Die Antwort war ganz einfach: Sie sprachen nicht mit einander, jedenfalls nicht freiwillig, und wenn doch, dann nur auf Französisch. P. - die das "r" so schön rollte -, kam aus Toledo und war Kastilierin; G. - der aus Girona kam, dessen ersten Konsonanten er "italienisch" aussprach, nicht "spanisch" - war Katalane; und E. - der einen so schwierigen Namen hatte, daß ihn alle nur auf Französisch "Émile" nannten - kam aus Pamplona und war Baske. Er sah auch überhaupt nicht aus, wie man sich einen "Spanier" vorstellte, sondern war groß, blond und blauäugig, ebenso seine Schwester A., die ein Jahr jünger war und deshalb in eine andere Klasse ging, aber deren Gastfamilie im selben Dorf wohnte wie die Nikos. (Die Gasteltern wechselten sich allmorgendlich ab, sie gemeinsam zur Schule nach D. zu fahren. Zurück gingen sie zu Fuß, auch gemeinsam, über die Felder.) Sie war seine erste Liebe - und er ihre -, und er sah in ihr anfangs nur ein glückliches Überbleibsel der Westgoten, denn sie sah wie gesagt überhaupt nicht "spanisch" aus; und der Nordosten Spaniens war ja das letzte Refugium jenes untergegangenen Volkes vor der muslimischen Invasion im 8. Jahrhundert. Aber A. erklärte ihm in vier Wochen - an deren Ende sie übrigens beide perfekt Französisch konnten - mit geduldiger Hartnäckigkeit, daß dem nicht so sei; und so bekam er aus erster Hand erstem Mund seine ersten Informationen über das Land, das Volk und seine Geschichte, über die er hier nun endlich, um mehr als ein halbes Jahrhundert verspätet, berichten will. Vorwort Ende.

* * * * *

Zur Zeit Karls des Großen, als die Ungarn noch nicht in die Gegend zwischen Donau und Theiß eingereist waren, gab es in Europa nur ein nicht indo-europäisches Volk, nämlich die arabischen Sarazenen (und natürlich ihre Verwandten, die Juden; aber in den Augen des christlichen Abendlandes waren die entweder ein Sonderfall, der nicht mit zählte, oder sie wurden mit den Muslimen in einen Topf geworfen - den der "Beschnittenen"). Die saßen in Sizilien und auf der Iberischen Halbinsel. Als daher Karl der Große einst von einer Reise nach Spanien zurück kehrte und dabei die Nachhut unter seinem getreuen Paladin Roland bei Roncesvalles in den Pyrenäen, in der Nähe der alten Römer-Stadt Pamplona, von Unbekannten überfallen und aufgerieben wurde, konnte es dafür nur eine Erklärung geben: Die Sarazenen hatten ihn in eine Falle gelockt und massakriert. So steht es jedenfalls im "Rolandslied", das aus unerfindlichen Gründen bis heute in den europäischen "Sagen"-Büchern herum spukt, obwohl es weder eine griechische noch römische noch germanische oder sonstige Sage ist, sondern einfach nur eine üble Geschichts-Klitterung des fränkischen Hoch-Mittelalters in ungelenken Versen, die wahrscheinlich nicht mehr, sondern eher weniger historischen Kern hat als die heute fast vergessenen Sagen um Guillaume d'Orange, Girart de Roussillon oder Garin de Monglane. Böse Zungen bezweifeln inzwischen, ob Karl der Große oder Roland jemals in Spanien waren, noch bösere gar, ob sie überhaupt je gelebt haben; aber niemand bezweifelt, daß damals schon am Golf von Vizcaya ein kleines, zähes Volk lebte, das sich so ziemlich als einziges in Europa bis heute nicht von seinen Unterdrückern hat platt machen und gleich schalten lassen: die Basken.

Woher sie gekommen sind, weiß niemand so genau. Einige mit viel Fantasie begabte Autoren meinen, sie seien Überlebende des geheimnisvollen, im Meer versunkenen Kontinents "Atlantis"; andere halten sie für "Nachkommen des Cro-Magnon-Menschen" (aber sind wir das letztlich nicht alle irgendwie?); und wieder andere meinen, da niemand mit bekommen habe, wie sie nach Europa einwandert sind, müßten sie schon immer da gewesen sein. Wie dem auch sei, sie sehen nicht viel anders aus als andere Menschen, die um sie herum leben, und neuere genetische Untersuchungen haben ergeben, daß sie wahrscheinlich doch "kaukasischer" Abstammung sind; aber die politisch korrekten Herren Professoren teilen die Menschen halt lieber nach Sprachen ein als nach Genen, und die Basken sprechen nun mal keine indo-europäische, sondern eine ganz andere Sprache. Genauer gesagt, andere Sprachen, denn "das Baskische" gibt es gar nicht (ebenso wenig wie es "das Irische" oder "das Räto-Romanische" gibt) - auch wenn uns kluge Lexika, vor allem französische, etwas anderes weis zu machen versuchen. Es gibt West-Baskisch, das in der Vizcaya gesprochen wird (das ist die Gegend um Guernica), Ost-Baskisch, das in der Soule gesprochen wird (das ist die Gegend um Mauléon-Licharre) und schließlich Mittel-Baskisch, das sich wiederum in drei Mundarten unterteilt, die jeweils in der Guipúzcoa (um San Sebastián), Labourd (um Ustaritz) und West-Navarra (um Pamplona) gesprochen werden. [Also gibt es auch nicht "die" richtige Schreibweise und/oder Aussprache der Überschrift. Dikigoros schreibt den jeweils ersten Konsonanten der beiden Hauptwörter "z", weil er anders ausgesprochen wird als das "s", während Andere dreimal "s" schreiben. Beides ist möglich, und auch die Aussprache ist nicht einheitlich. (Das letzte "s" ist scharf und stimmlos, wie ein deutsches "ß"; das "z" kann man wie ein weiches, stimmhaftes deutsches "s" sprechen oder wie ein französisches "j".) Bei den Vokalen herrscht auch keine Einigkeit, vor allem nicht bei der Betonung. Nur so viel: Sagt bitte am Anfang nicht "Oj" wie in "Euskirchen", sondern "E-u" - da stimmen alle überein, ebenso darin, daß das "a" am Ende von "ta" und das "A" am Anfang von "Azkatasuna" zusammen gezogen werden.]

Wie dem auch sei - damit weiß der geneigte Leser schon so in etwa, wo der größte Teil dieser Geschichte spielt. Umso erstaunlicher, daß diese Dialekte sich bis heute erhalten haben, obwohl es weder diesseits noch jenseits der Pyrenäen jemals einen wirklich unabhängigen Staat der Basken gegeben hat. Gewiß, da gab es auf spanischer Seite das Königreich Navarra, auf dessen Thron auch schon mal ein (halber) Baske saß, aber eben nur mal für kurze Zeit. Und da gab es auf französischer Seite das Herzogtum Gascogne, von dem die Franzosen meinen, es sei nach den Basken benannt. Aber selbst wenn dem so wäre: Mit den Gascognern haben die Basken nur gemeinsam, daß sie verwaltungsmäßig erst von ihren römischen, dann von ihren westgotischen und schließlich auch von ihren französischen Besatzern zusammen in einen Topf geworfen wurden, den sie "Aquitanien (Land am Wasser)" nannten, und daß sie gleichermaßen als Säufer galten: Bis heute bedeutet "soule" im Französischen "besoffen", und "Armagnac" bezeichnet nicht so sehr den Bewohner dieser gascognischen Landschaft als vielmehr einen Branntwein bzw. jemanden, der diesem regelmäßig in übergroßen Mengen zuspricht und darob ein grobes Verhalten an den Tag legt. Jahrhundertelang (bis zur Aufstellung einer offiziellen "Fremden-Legion") füllten die Franzosen ihre Kanonenfutter-Einheiten für die riskantesten Reise-Einsätze mit Basken und Gascognern auf - das ist die dritte und letzte Gemeinsamkeit.

In der guten alten Zeit, die heute im allgemeinen als schlecht und böse gilt, da ja nur die neuerungssüchtige Moderne gut sei, hatten die Basken hüben wie drüben gewisse Sonder-Rechte, die es ihnen ermöglichten, ihre Eigenart einigermaßen zu bewahren. Dann kam die Pariser Revolution von 1789, die später "französische" Revolution genannt wurde und alle Menschen gleich machte (dafür wird sie jedenfalls heute von den offiziellen Märchen-, pardon, Geschichts-Schreibern gerühmt), also auch die Basken gleich schaltete und ihnen ihre Sonder-Rechte nahm. Nicht nur ihnen, sondern auch all den anderen "unfranzösischen" Minderheiten in Frankreich: den Bretonen, den Flamen, den Elsässern und den Juden - wobei die letzteren beiden praktisch deckungsgleich waren, denn nur im früher deutschen, also toleranten Elsaß hatte sich eine nennenswerte jüdische Minderheit gehalten; in allen anderen Gegenden hatten die Franzosen sie schon vorher platt gemacht. (Der okzitanische Süden hatte schon seit den Albigenser-Kriegen keine Sonderrechte mehr gehabt.) Aber die Minderheiten - und auch viele Franzosen - bedankten sich schön für diese Gleichheit und griffen zu den Waffen, um ihre Ungleichheit und ihre Freiheit zu verteidigen gegen den Wahlspruch der neuen Republik, "unité, indivisibilité", "Einheit (nein, liebe deutsche Leser, nicht "Einigkeit" - die brauchts doch gar nicht, wenn man die Untertanen zur Einheit zwingen kann!), Unteilbarkeit". Letzteres war besonders wichtig: "Gleiches Recht für alle" meinte nicht, daß nun alle mehr Rechte haben sollten als bisher, sondern daß einige, die bisher Sonder-Rechte hatte (die man nun abfällig "Vor-Rechte" oder "Privilegien" nannte) diese verloren, also vor allem die Freiheit, anders zu sein. Die alberne und in sich widersprüchliche Parole "liberté, égalité, fraternité", "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" (die Schwestern waren noch ausgeschlossen, auch wenn "droits des hommes" oft fälschlich mit "Menschen-Rechte" übersetzt wird statt richtig mit "Männer-Rechte", wie es damals unzweifelhaft gemeint war) sollten die Franzosen erst bei der übernächsten, der Februar-Revolution von 1848, erfinden - allerdings erstmal nur auf die Befreiung der Sklaven gemünzt, denn von den Nicht-Sklaven verlangte man noch etwas mehr, nämlich auch "probité", Rechtschaffenheit. Erst im Jahre 1880, bei den 50-Jahr-Feiern zur Juli-Revolution von 1830, als auch der 14. Juli zum National-Feiertag erklärt wurde, sollte die Rechtschaffenheit gestrichen, der Spruch von "Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit" unter krasser Verfälschung der Geschichte auf 1789 zurück datiert und die damalige "Erstürmung" der leer stehenden Bastille - die schon lange nicht mehr als Gefängnis genutzt worden war, aber zufällig auch im Juli statt fand - zum Beginn der "französischen" Revolution hoch stilisiert werden.

Exkurs. Was ist Freiheit? Nein, diesmal will Dikigoros nicht ganz banal fragen "Freiheit wessen wovon wozu?", wie er es sonst so gerne tut, sondern hoch offziell - politisch und [staats-]rechtlich sozusagen. Antwort: "Ein wichtiges Grundrecht, vielleicht sogar das wichtigste." So hat er es im Jura-Studium an der Universität gelernt; aber da war diese Antwort längst nicht mehr unumstritten; es war eine Zeit des Umbruchs, in der sich auch bei dieser Frage ein Umdenken abzeichnete. Freiheit? Das war doch nur etwas "negatives", ein Abwehrrecht gegen den Staat. Ja, wozu wurde das denn in einer Demokratie noch benötigt? Und wozu diente es überhaupt? Was hatte man von der Freiheit zu reisen, wenn man nicht genügend Geld in der Tasche hatte, um dieses "Recht" auch im angemessenen Rahmen (d.h. nicht einfach bloß als Rucksack-tramp per Anhalter oder gar per pedes, sondern mindestensals Flugreisender im 3-Sterne-Hotel mit Vollpension) wahr zu nehmen? War es nicht viel wichtiger, vom Staat statt "negativer" Nichteinmischung eine "positive" Teilhabe an den Mitteln und Ressourchen zu erlangen, die diese Freiheit erst lebenswert machten, sprich an der Staatsknete? War das nicht das wichtigste Grundrecht? Eine faszinierende Frage, fand Dikigoros damals, und er hätte gerne über sie promoviert; aber sein Doktorvater war dagegen, und so schrieb diese Dissertation über den Wandel des modernen Grundrechtsverständnisses einer seiner Kommilitonen, unter Verwendung von Dikigoros' Zettelkasten. (Aber er hat sich später mit manch brauchbarer Idee zu den "Reisen durch die Vergangenheit" und einigen Episoden aus seiner eigenen Lebensreise revanchiert :-) Heute kann Dikigoros nur den Kopf schütteln über solche Abwege des Geistes: Freiheit ist und bleibt die Freiheit von staatlichen Eingriffen in welcher Form auch immer, sei es von Steuern und Abgaben oder von Frondiensten (zu denen auch der Wehrdienst zählt). Inwieweit es notwendig ist, diese Freiheit einzuschränken ist eine andere Frage; aber zu glauben, in einer "Demokratie" sei sie überhaupt nicht mehr von nöten, ist schlichtweg naïv; und das gilt erst recht für die Annahme, die Teilhabe an den materiellen Segnungen des Sozialstaates sei wichtiger - woher kommt denn die Staatsknete? Der Staat gibt Euch doch nur mit einer Hand einen Teil dessen zurück, was er Euch zuvor mit der anderen weggenommen hat - und die Differenz bleibt an den Fingern der Obrigkeit, am Beamtenapparat und der Verwaltungsmaschinerie hängen. Wie schrieb ein großer französischer Filisof des 19. Jahrhunderts? "Staat ist die große Fiktion, vermöge derer jedermann glaubt, auf Kosten des anderen Leben zu können." Exkurs Ende.

Zurück in die 90er Jahr des 18. Jahrhunderts. Vor allem in den Grenzregionen zwischen "echten" Franzosen und "ihren" Minderheiten tobten die Kämpfe: In der Vendée, in der Provence, im Roussillon und in der Gironde, dem Gebiet nördlich des Baskenlandes. Am Ende hatte die Freiheit verloren und die Gleichmacherei gesiegt. Wie sollte es auch anders sein in einer Demokratie: Da gilt der Wille der Mehrheit, nicht wahr, dem sich die Minderheiten zu beugen haben, und wenn sie Widerstand zu leisten wagen, muß dieser gebrochen werden, denn Gemeinnutz geht vor Eigennutz. (Oder gehört dieser schöne Spruch zu einer anderen Staatsform? Wenn ja, dann haben ihn deren Schöpfer jedenfalls bei den "Demokraten" abgeschöpft, pardon abgeschrieben.)

Als das republikanische Terror-Regime einige Jahre später in Bedrängnis geriet, unterstützten die Basken den Vertreter einer anderen Minderheit, einen Korsen. Der Korse siegte und errichtete an Stelle des Königreichs ein Kaiserreich, das eine Zeit lang in ganz Europa - auch und gerade im benachbarten Deutschland - sehr populär war: Beethoven widmete dem Korsen eine große Synfonie, und der heute als großer Humanist gefeierte Preuße Wilhelm von Humboldt unternahm gleich zwei "Forschungsreisen" in die baskischen Provinzen - anno 1799 und anno 1801 -, um die Basken im allgemeinen und ihre Sprache bzw. ihre Dialekte im besonderen zu studieren. Aber obwohl dies eine Seite über Reisen ist, will Dikigoros dem keine längeren Ausführungen widmen - er hat dies ja auch nicht im Rahmen seiner Seite über Reiseschriftsteller getan, weil das einfach vor "seiner" Zeit war. Beschränken wir uns also auf die Feststellung, daß man bei Humboldt über das Baskenland eine ganze Menge nachlesen kann, aber über seine Freiheit, um die es uns hier vornehmlich gehen soll, buchstäblich nichts - es gab ja auch keine. Denn der Korse dankte den Basken und seinen anderen Verbündeten ihre Hilfe schlecht: Er versuchte nicht nur Frankreich, sondern ganz Europa gleich zu schalten. Als auch er schließlich gescheitert war, wurde das geschlagene Frankreich wieder eine Monarchie; doch die alten Rechte der Minderheiten wurden nicht nur nicht wieder hergestellt, sondern unter dem Neffen des Korsen, der aus Frankreich erneut ein Kaiserreich machte, wurden diese noch brutaler unterdrückt als unter den Republikanern - selbst der Gebrauch ihrer Muttersprache wurde ihnen verboten.

In Spanien dauerte es etwas länger, bis zu den Bürgerkriegen des 19. Jahrhunderts, die von den Spaniern "Carlisten-Kriege" genannt werden. An deren Ende verloren die Basken auch dort ihre "Fueros", ihre Sonder-Rechte. 1895 gründete Sabino Arana, ein junger Mann aus Bilbao, eine Organisation, die er "Euzkadi" nannte (was für "Baskenland" stand); er starb sieben Jahre später im Kerker, aber die Erinnerung an ihn blieb noch lange lebendig - bis gegen Ende des 20. Jahrhunderts. Heute dürft Ihr ihn nicht mehr kennen, denn er gilt als böser "Rassist", weil er daran glaubte, daß die Basken andere ethnische Wurzeln - nichts anderes bedeutet ja das lateinische Wort "raza" - hätten als die übrigen Bewohner Spaniens und Frankreichs. Also vergeßt ihn ganz schnell wieder, denn auch nur seinen Namen zu kennen wäre schon politisch unkorrekt.

In Deutschland gerieten die Basken unterdessen mehr oder weniger in Vergessenheit. Man hatte seit Gründung des neuen Reichs durch Bismarck anno 1871 genug eigene Problem mit "Minderheiten", wollte an dem Thema also nur ungern rühren. Und auch als diese Minderheiten nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg 1919 "verschwunden" waren, hatte man erstmal zu viele eigene Sorgen existentieller Art, um sich eingehender mit dem Schicksal anderer Völker zu beschäftigen. Erst als es Mitte der 1920er Jahre wieder ein klein wenig bergauf ging, kam jemand auf die Idee, eine längere Reise ins französische und spanische Baskenland zu unternehmen - auch in jene Teile, die inzwischen als "Nord-Okzitanien" bezeichnet wurden. Für seine Reisebeschreibung wählte er den diplomatischen Titel "Ein Pyrenäenbuch". Aber wer las schon Kurt Tucholsky, jenen zwielichtigen Herausgeber der "Weltbühne", Freund und engen Mitarbeiter des Vaterlandsverräters Carl v. Ossietzky? (Heute werden beide als "politisch Verfolgte des" und "Widerstandskämpfer gegen das" Nazi-Regime[s] gefeiert; dabei fielen ihre Taten schon in die System-Zeit der ach-so-gutdemokratischen "Weimarer Republik".] Was der schrieb, konnte ja nicht das Gelbe vom Ei sein... War es auch nicht, das kann Dikigoros guten Gewissens bestätigen: Der Leser erfuhr, daß die Leute dort Baskenmützen trugen, Pelota spielten und zum Stierkampf gingen. Der Rest: Banalitäten und Fehlprognosen. Eine davon war, daß der Rummel um den Wallfahrtsort Lourdes - wo im 19. Jahrhundert ein Bauernmädchen eine Vision der Jungfrau Maria hatte - wohl bald einschlafen werde, wenn die Menschen aufgeklärt genug seien, um das als Ausgeburt krankhafter Fantasien zu erkennen. Nun, ein gutes Jahrzehnt später betete der eingangs zitierte Franz Werfel dortselbst um eine Passage in die USA und wurde erhört; daraufhin drehte er dortselbst einen Film über jenes Bauernmädchen, der ein großer Kassenerfolg wurde - ebenso wie der "Wallfahrtsrummel". Als Dikigoros in den 1970er Jahren Lourdes besuchte, war er alles andere als eingeschlafen, ganz im Gegenteil. Damals, als junger Mensch, wunderte auch er sich, daß so viele leichtgläuübige Menschen auf das teure "Wunderwasser" der "Heilquelle" herein fielen; aber heute glaubt er das Fänomen zu durchschauen: Zur Heilung gehört der subjektive Glaube daran, z.B. das Vertrauen in den Arzt und die von ihm verschriebenen Mittelchen, und seien sie "objektiv" noch so "wirkungslos" - man nennt das den "Placebo-Effekt", und der wird wohl auch in Lourdes eine Rolle spielen, sonst gäbe es ja nicht die - "medizinisch unerklärlichen" - Heilungen. Aber das nur der guten Ordnung halber und weil Dikigoros' Reise nach Lourdes - und zu noch ein paar anderen Wallfahrtsorten - zu denen gehört, über die er sonst nichts geschrieben hat.

Exkurs. A propos Pelota: Dikigoros hat an anderer Stelle geschrieben, woran er den "Charakter" eines Volkes festmacht, und dabei die Lieblingsspiele über die Lieblingsmusik und sogar über das Lieblingsessen gestellt. Im Zeitalter der "Globalisierung" und des Einheitsbreis scheint das müßig: Auf der ganzen Welt haben sich Nigger-rap u.a. Affenmusik, Fertigfraß aus der Tiefkühltruhe und Balltreten Fußball durchgesetzt - "nationales" Abweichlertum gilt unter der herrschenden Doktrin der "One World"-Kultur schon fast als Gedankenverbrechen. Aber zu Tucholskys Zeiten gab es noch mindestens zwei Ausnahmen: Die Basken in Spanien waren im Pelota-Spiel - Tennis mit bloßen Händen - natürlich konkurrenzlos, denn sonst betrieb das ja niemand. Und auch im Tennis mit Schläger waren damals Basken weltweit führend, nämlich die "vier Musketiere" aus Frankreich, allen voran René Lacoste, der noch heute auch Nicht-Tennisspielern ein Begriff ist. Dagegen hatten sie kein echtes Nationalgericht mehr - "Pintxos" ist, entgegen anders lautenden Behauptungen, nur eine andere Bezeichnung für "Tapas" - und auch kein besonderes Nationalgetränk - Wein ist Wein. Bei den Bretonen ist es genau umgekehrt: Die hatten schon zu Dikigoros' Zeiten keinen eigenen "Nationalsport" - sie begeisterten sich, wie die Franzosen, hauptsächlich für Radfahren und Rugby. Dafür hatten sie ein Nationalgetränk, nämlich den Cidre, der - wiederum entgegen anderslautenden Behauptungen - etwas ganz anderes ist als das Zeug, das die Hessen als "Äppelwoi" und die Restgermanen als "Apfelwein" bezeichnen. Dieser Cidre kommt aus der benachbarten Normandie, wo noch Apfelbäume wachsen, während es dort für Weintrauben schon zu kalt ist. Dikigoros lernte ihn damals lieben; und nach vielen Jahrzehnten ist er das, was er von der Bretagne hauptsächlich in Erinnerung behalten hat.

Im Rückblick fragt er sich, ob es seinen Mitschülern - die jenem für sie bis dahin unbekannten Getränk ebenfalls mit Begeisterung zusprachen - wohl ähnlich ergangen ist. Nun fällt ihm wieder eine Diskussion just zu diesem Thema, nein zu diesen Themen ein, die er damals mit "Émile", L. und S. führte. L. kam aus Italien, stellte sich aber nicht als "Italiener" vor, sondern als "Lombarde", und er warf viele lieb gewonnene Vorurteile über den Haufen, die - nicht nur bei Niko, sondern auch anderswo im Ausland - über "die Italiener" eingerissen waren. "Spaghetti? Pizza? Ich esse Risotto," sagte er, und unser Nationalgetränk ist nicht Vino, sondern Caffè." - "Daß ihr Reis anbaut, irgendwo in der Po-Ebene, ist ja bekannt, aber woher nehmt ihr den Kaffee?" - "Den importieren wir, schon seit dem Mittelalter, die Lombardei war früher das Handelszentrum Europas; allein Milano hatte zeitweise mehr Umsatz als alle Städte nördlich der Alpen zusammen." Und sein Lieblingssport war natürlich "calcio" - in Mailand gab es damals gleich zwei Weltklasse-Mannschaften. "Wir haben das Fußballspiel erfunden, auch schon im Mittelalter, nicht die Briten, diese Pedanten haben bloß irgendwann im 19. Jahrhundert Regeln zu Papier gebracht und bilden sich deshalb ein, England wäre das Mutterland des Fußballs. Daß ich nicht lache!" - "Woher weiß man denn das?" - "Es sind Zeichnungen überliefert und Verbote - der Obrigkeit war es nämlich gar nicht recht, daß sich das Volk damit vergnügte." S. widersprach nicht. Er kam zwar aus Liverpool - ebenfalls eine Fußball-Hochburg -, fühlte sich aber als Ire und hatte ganz andere Sorgen. "Bei uns gibt es zwar auch Cider, aber dieser hier ist viel besser, spritziger, leichter..." - "Ich dachte, ihr Iren seid gerade mehr für harte Sachen, Whiskey und so?!?" - "Ach was, wir trinken hauptsächlich Bier; vielleicht insgesamt nicht so viel wie die Deutschen, aber das liegt daran, da wir nicht so viele sind; man hält uns ja klein." - "Aber ihr seid doch jetzt unabhängig, schon seit Jahrzehnten." - "Ja, aber manchmal glaube ich, daß das eher ein Problem ist. Früher hat man noch Gaelge gesprochen - der Reiz des Verbotenen. Man wäre auch nicht freiwillig nach England gegangen. Aber seit Friede mit den Limeys ist {das, was man heute verniedlichend "Nordirland-Konflikt" nennt, sollte erst 1969 ausbrechen, Anm. Dikigoros}, wandern die Leute, die unser Land nicht ernähren kann, nicht mehr in die USA aus, sondern nach England. Meine Großeltern haben noch Gaelge gesprochen, ich kann nur ein paar Brocken, und ich wüßte nicht mal, wie man die richtig schreibt. Es ist ja auch viel bequemer und praktischer, England zu sprechen, aber eigentlich müßte ich mich schämen." - "Wer hindert dich daran, es zu lernen?" - "In Liverpool gibt es keine Schulen, auf denen man es lernen könnte; und sollen wir deshalb zurück nach Eire gehen? Dort bekäme mein Vater nur viel schlechter bezahlte Jobs, da könnte er mir keine Sommerschule finanzieren." {Niemand fragte ihn, ob es für einen Iren nicht wichtiger wäre, Irisch zu lernen als Französisch.} - "Mein Vater würde nicht nach Frankreich oder Deutschland gehen, um ein paar Lire mehr zu verdienen, so etwas tun nur die Leute aus dem Süden," sagte L. naserümpfend. {Vermutlich verdiente sein Vater in Mailand auch erheblich besser als der von S. in Liverpool, Anm. Dikigoros, der sich freilich nicht erinnert, was die Väter machten, ob sie das überhaupt ansprachen.} "Wir wären froh, wenn wir die wieder los wären, die leben doch nur von unseren Steuern und saugen uns aus!" - "Aber habt ihr die nicht im vergangenen Jahrhundert selber annektiert, weil ihr unbedingt ein geeintes Italien wolltet?" - "Nein, nein, das waren nicht wir, sondern die blöden Piemontesen. Die wußten ja nicht, was sie taten. Wir Lombarden und Venezianer wollten bloß nicht mehr von den Habsburgern ausgesaugt werden, sondern am liebsten unabhängig sein. Statt dessen sind wir vom Regen in die Traufe gekommen und mußten auch noch eine andere Sprache lernen." - "Eine andere Sprache?" - "Ja, wußtet ihr das nicht? In Italien gibt es viele Sprachen. Die schönste ist natürlich Lombardisch; aber selbst Venezianisch oder Napolitanisch wäre noch besser gewesen - alles außer Toskanisch." - "Toskanisch?" - "Ja, die haben doch vor 100 Jahren erstmal Firenze zur Hauptstadt gemacht, weil Roma noch von den Franzosen besetzt war; also hat man den dortigen Dialekt zur Staatssprache Italiens erklärt. So etwas idiotisches! In meinem Elternhaus wird Lombardisch gesprochen; Toskanisch habe ich erst auf der Schule gelernt." - "Immerhin hat man euch nicht zerrissen und auf zwei andere Länder verteilt wie uns," sagte E., "ihr habt wenigstens noch Hoffnung. Hatten die Alliierten nicht am Ende des Zweiten Weltkriegs auch Deutschland in vier Besatzungszonen zerstückelt, und drei davon sind schon wieder zusammengesetzt? Die vierte wird doch irgendwann auch wieder dazu kommen. Nicolas, du bist Westdeutscher, glaubt du nicht an eine Wiedervereinigung mit Ostdeutschland?" - "Ich bin kein Westdeutscher. Mein Vater ist Norddeutscher aus Hamburg, und meine Mutter ist Ostmärkerin aus Wien, und sie hat nie einen Zweifel daran gelassen, daß sie sich als Allemande fühlt, nicht als Autrichienne. Aber an eine nochmalige Wiedervereinigung Österreichs mit Deutschland zu unseren Lebzeiten glaubt niemand im Ernst." - "Ich meinte doch eine Wiedervereinigung Ostdeutschlands..." - "Du meinst Mitteldeutschland?" - "Die R.D.A." {französische Abkürzung für "DDR", Anm. Dikigoros} - "Auch nicht; die haben erst vor ein paar Jahren die Berliner Mauer gebaut, ohne daß der Westen etwas dagegen unternommen hätte. Ich glaube, die sind alle ganz froh, daß Deutschland geteilt ist; die wollen nicht nur Irland klein halten..." - "Die irische Wiedervereinigung wird trotzdem kommen. Die Protestanten in Ulster sind eigentlich Schotten, und die haben eine viel niedrigere Geburtenrate als die Katholiken; außerdem hat Ulster für die Briten weder militärisch noch wirtschaftlich einen so hohen Wert, daß sie darum kämpfen werden, wenn es hart auf hart kommt. Das ist der Unterschied zur G.D.R., die im Ostblock einen ähnlichen Spitzenplatz einnimmt wie die F.R.G. im Westen; die würden die Sowjetrussen natürlich nicht kampflos aus der Hand geben." - "Wir würden auch nicht unbedingt darum kämpfen wollen; denn zwischen den beiden deutschen Staaten gibt es trotz allem ein erhebliches wirtschaftliches Gefälle; für uns wäre eine Wiedervereinigung kein Gewinn." - "Wirtschaftlich vielleicht nicht. Aber ideell?" - "Ihr überschätzt den Zusammenhalt zwischen Ost- und Westdeutschen. Für uns ist alles östlich von Elbe und Werra Preußen, und das Königreich Preußen war nie Bestandteil des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation. Es gibt auch gar keinen deutschen Stamm der Preußen; der Name ist die Verballhornung eines baltischen Stammesnamens. Die echten deutschen Stämme, die Bayern, Franken, Sachsen und Schwaben wollen mit den Preußen nichts zu tun haben. Ich lebe im katholischen Rheinland; dort ist man froh, sie endlich los zu sein, ebenso in Niedersachsen und Schleswig-Holstein, obwohl die meisten Leute dort Protestanten sind. Religion spielt also keine ausschlaggebende Rolle - das ist der eigentliche Unterschied zu Irland." - "Und wie sehen das die Mitteldeutschen?" - "Die wollen nur aus materiellen Gründen in den Westen; die würden auch in die USA oder sonstwohin gehen, wenn sie nur nicht unter dem kommunistischen Hungerregime leben müssen." - "Herrscht denn dort wirklich Hunger?" - "Ich glaube schon; die haben z.B. keinen Café - den müssen sie sich von Verwandten im Westen schicken lassen - und keinen Cidre. Prost zusammen!" Exkurs Ende.

Zurück zu Tucholsky und seinem Pyrenäenbuch. Ist Euch eben beim Exkurs etwas aufgefallen? Richtig: Das ominöse Wort "Freiheit" kam kein einziges Mal vor - auch in keiner anderen Sprache. Nun, von 17-jährigen kann man das vielleicht nicht erwarten; aber Tucholsky war ein erwachsener Mann, als er jenes Buch schrieb - dennoch machte er nicht die geringste Andeutung über den Wunsch der Menschen nach Freiheit vom französischen und spanischen Joch. Ihr meint, gegenüber Fremden, zumal Ausländern, spräche doch niemand so gerne ein offenes Wort in Sachen Politik, schon gar nicht über so heikle Fragen wie "Widerstand" und "Unabhängigkeit"? Dann irrt Ihr. Dikigoros hat auf seinen Reisen stets die gegenteilige Erfahrung gemacht: Gegenüber Unbeteiligten sind die Leute offener als gegenüber Einheimischen - unter letzteren könnten ja Spitzel des eigenen Regimes sein! Wer hat ihm nicht alles in späteren Jahren sein Leid geklagt: Tibeter in Indien, Karen in Thailand, Timoresen auf Java, und vor allem jede Menge Angehöriger nicht-russischer Minderheiten in der Sowjet-Union. Hatten wir das Thema "Freiheit" nicht oben schon mal in einem Exkurs? Nein, pardon, und jetzt kommen wir zu einem sehr wichtigen Punkt: Das oben war die persönliche Freiheit des einzelnen, und die war für russische Sowjetbürger doch nicht größer als für die anderer Ethnien! Dto die religiöse Freiheit: Orthodoxes Christentum war ebenso verpönt wie Islam, Judentum oder der Schamanismus irgendwelcher Sibirjaken. Und der Zwang, die russische Sprache zu erlernen? Na, das hatte doch nichts mit Unfreiheit zu tun - ganz im Gegenteil: Nicht umsonst heißt es "lingua franca", weil ihre Beherrschung einem die Freiheit gibt, über muttersprachliche Grenzen hinweg mit anderen Menschen zu kommunizieren. Und warum nicht Russisch? Immer noch besser als Griechisch im antiken Imperium Romanum, Küchen-Lateinisch im mittelalterlichen Europa oder Alt-Arabisch in der muslimischen Umma! Aber hier geht es um nationale Freiheit, und die ist etwas ganz anderes. Dikigoros' treue Leser wissen ja, daß er früher viel nach Griechenland und in die Türkei gereist ist - auch wenn er relativ wenig darüber geschrieben hat. Und es ist ihm immer wieder aufgestoßen, daß die Griechen ihre Zeit im Osmanischen Reich als Periode der Unterdrückung betrachteten, während die Türken behaupteten, ihre Minderheiten hätten alle Freiheiten, sogar Privilegien genossen, von denen sie auch ausgiebig Gebrauch gemacht hätten. Es hat lange gedauert, bis ihm ein - deutscher - Historiker dieses Rätsel überzeugend auflöste: "Ich hatte mich auch lange gefragt, wie es möglich war, daß ein kleiner Turkstamm das mächtige Oströmische Reich so einfach überrennen konnte. Die Antwort ist ganz einfach: Byzanz erhob von der anatolischen Bevölkerung extrem hohe Steuern, zwang sie zu Kriegs- und anderen Frondiensten, d.h. um die persönliche Freiheit war es schlecht bestellt. Die Türken dagegen erhoben zwar Cizye, die Dhimmí-Steuer, mehr aber auch nicht; Kriegsdienst brauchte die griechische Bevölkerung nicht zu leisten, durfte es nicht mal - die Türken holten sich ihre Janitscharen woanders her. Und nicht nur Griechen, sondern auch Armenier und Juden durften sich weiter als Kaufleute betätigten; einige von ihnen brachten es sogar zu beträchtlichem Wohlstand, von dem die meisten Türken nur träumen konnten. Und das freizügige Auftreten von Frauen in der Öffentlichkeit, das heute so gerne mit 'Freiheit' verwechselt wird, hat es bis vor ein paar Jahrzehnten auch für Christinnen nie gegeben, egal ob orthodoxe, armenische, katholische oder protestantische. Kurzum, die persönliche Freiheit im Osmanischen Reich war größer als im Byzantinischen; da unterwarfen sich die einfachen Untertanen gerne. Erst viel später, d.h. als es schon zu spät war, erkannten sie, daß sie dafür ihre nationale Freiheit verloren hatten. Das eine schließt das andere nicht aus."

Bleibt die Frage: Was genau ist diese "nationale" Freiheit? Was ist überhaupt die "Nation"? Nein, da wird sich Dikigoros auf keine lange Diskussion einlassen - das haben andere vor ihm schon bis zum Erbrechen getan, ohne wirklich überzeugendes Ergebnis. Wörtlich sind es einfach Menschen, die durch Geburt - also genetisch - mit einander verwandt sind; dieser kleinste gemeinsame Nenner erspart uns müßige Spekulationen über gemeinsame Sprache, Kultur usw. Aber wie kann diese Ansammlung von Menschen insgesamt "frei" sei oder nicht? Lassen wir die cynischen Spruch außen vor: "Wenn die Gesamtheit ihre Freiheit gegen Bedrohungen von außen verteidigen will, dann müssen die einzelnen im Inneren eben Opfer in Bezug auf ihre persönliche Freiheit bringen." Das klingt so nach "Gemeinnutz geht vor Eigennutz" - was ja nicht falsch sein muß; aber hier soll es nicht um irgendwelchen generellen "Nutzen" gehen, sondern ganz speziell um die Freiheit. Allerdings spricht die Geschichte da eine deutliche Sprache: Z.B. hätte ein kleiner Stadtstaat wie das antike Sparta seine äußere Freiheit schwerlich behaupten können, wenn es nicht im Inneren so gut wie keine Freiheit gegeben hätte. Das gleiche gilt für das mittelalterliche Japan, dessen übermächtige Nachbarn, die Chinesen, alle anderen Länder ringsumher unterworfen hatten, auch solche, die erheblich weiter entfernt lagen; und das neuzeitliche Polen - unter dem strengen Regiment Jagiellos noch die europäische Großmacht - wurde in dem Augenblick von seinen Nachbarn zerschlagen und aufgeteilt - im 18. Jahrhundert -, als es im Inneren zu viele Freiheiten gewährte, d.h. als jeder tun und lassen konnte, was er wollte. Könnte es etwa sein, daß innere Freiheit und äußere Unfreiheit einander nicht nur nicht ausschließen, sondern daß ganz im Gegenteil die eine mit der anderen untrennbar verbunden ist? Nun, so weit muß man wohl nicht gehen; aber man darf doch mal fragen, wessen "Freiheit" diese äußere Freiheit des "großen Ganzen" eigentlich ist: Ist es nicht die Freiheit der Herrschenden, "ihr" Volk auf eigene Rechnung auszubeuten statt das anderen zu überlassen, und sich zur Rechtfertiung auf die genetische Verwandtschaft zu berufen? Leider hat Dikigoros seine Webseite über das heilige Herz von Paris noch immer nicht fertig gestellt, sonst bräuchte er, um diese Frage zu beantworten, nur auf das Bezug zu nehmen, was er dort noch etwas weiter ausführen will, nämlich die verblüffende Tatsache, daß diejenigen, welche unterdrückten Völkern die äußere Freiheit brachten, oft eben nicht - oder nur teilweise - genetisch mit ihnen verwandt waren, d.h. sie waren alles andere als "reinrassige" Angehörige jener Völker. Aber da es hier um die Basken gehen soll, kann er schon mal so viel vorweg nehmen, daß sowohl der Befreier Irlands als auch der Kubas genetisch weder Ire noch Kubaner waren, sondern... Basken! {Letzterer ist überdies ein Musterbeispiel dafür, daß mit äußerer Freiheit extreme innere Unfreiheit einher gehen kann. Aber die Frage, ob das eine das andere in diesem speziellen Fall aufwiegt, behandelt Dikigoros an anderer Stelle, ebenso die noch viel kompliziertere Frage, ob es sich für ein gewisses Volk in Mitteleuropa gelohnt hat, die innere und äußere Unfreiheit einzutauschen gegen die Reisefreiheit in den Westen und die Freiheit, Bananen zu kaufen - um den Preis, ein Vierteljahrhundert später in einer "Corona"-Diktatur leben zu müssen, gegen die der verhaßte "Stasi-Staat" ein Paradies der inneren und äußeren Freiheit war.}

* * * * *

Nichtmal ein Jahrzehnt nach Erscheinen von Tucholskys Pyrenäenbuch versuchten die Basken auf der spanischen Seite der Grenze erneut, ihre Freiheit zurück zu erlangen. Da die Republik sie ihnen nicht gewähren wollte, unterstützten sie den Vertreter einer anderen Minderheit, einen Galizier, im Spanischen Bürgerkrieg gegen die "Republikaner", Demokraten, Sozialisten, Kommunisten und Anarchisten. [Damals wußte noch niemand, daß er zwar in Galizien geboren war, aber Angehöriger eines Volkes war, das sich selber für "auserwählt" hält, alle anderen Völker zu unterwerfen bzw. diejenigen, die sich nicht unterwerfen wollen, auszurotten, wie es ihnen Josua, ihr wichtigster Profet, einst gepredigt hatte. Hätten es seine beiden wichtigsten Verbündeten, ein Deutscher und ein Italiener gewußt, dann hätte er sich deren Hilfe wohl abschminken können, und die Weltgeschichte hätte vielleicht einen anderen Verlauf genommen - auf jeden Fall aber die spanische. Aber der einzige Deutsche, der es wohl wußte, behielt es schön für sich, und da es im Rückblick sehr vielen Leuten sehr peinlich ist, darf es bis heute offiziell nicht bekannt werden. Auch Dikigoros wußte es lange nicht und versuchte, als er es endlich erfuhr, die Augen vor den notwendigen Schlußfolgerungen zu verschließen. Erst die "Corona"-Panhysterie - deren Protagonisten ausnahmslos Angehörige jenes "auserwählten" Volkes sind - hat sie ihm gewaltsam geöffnet. Nun sieht er klar - aber es ist zu spät.] Dank dieser Hilfe siegte der Kandidat der Basken; und im Verlaufe dieser Hilfe kam es bei Guernica zu einem Ereignis, von dem Ihr sicher schon mal gehört oder gesehen habt - zumindest wenn Ihr Picasso-fans seid - allerdings schwerlich die Wahrheit, denn die ist wie so oft unpopulär und überdies politisch unkorrekt. Wenn Ihr sie trotzdem erfahren wollt, dann klickt bitte diesen Link an, der eine sehr profunde Abhandlung enthält, die sich nicht nur, aber vor allem deutsche Leser zu Gemüte führen sollten.

Der vermeintliche Galizier aber dankte den Deutschen, den Italienern und vor allem den Basken ihre Hilfe schlecht: Die ersteren verriet er im Zweiten Weltkrieg, und den letzteren gab er nicht nur ihre alten Rechte nicht zurück, sondern unterhöhlte ihre Eigenständigkeit noch, indem er die Ansiedlung armer Angehöriger einer weiteren Minderheit, der Andalusier, im Baskenland förderte. Die Einwanderung dieser Wirtschaftsflüchtlinge sollte nach und nach die - in anderen Teilen Spaniens schon längst nicht mehr vorhandene - mittelständische Wirtschaftsstruktur des einst reichen Baskenlandes zerstören. In den 1950er Jahren griffen einige Basken Aranas Wortschöpfung "Euzkadi" wieder auf und ergänzten sie um die Wörter "... ta Azkatasuna [und seine Freiheit]"; ihre Feinde aber nannten die Organisation bald nur noch nach ihrer Abkürzung "E.t.A."

Exkurs. Ihr, liebe jüngere Leser, werdet sicher schon mal das Märchen gehört oder gelesen haben, daß Franco nach dem Krieg zahlreichen deutschen "Nazi-Kriegsverbrechern" Asyl gewährt habe. Diese Behauptung hält einer näheren Überprüfung kaum stand. Ein Otto Skorzeny war kein Kriegsverbrecher, sondern ausdrücklich von diesem Vorwurf frei gesprochen worden, und andere deutsche "Asylanten" fallen Dikigoros nicht ein. Die echten "Nazi-Kriegsverbrecher" - wenn man die nach dem Zweiten Weltkrieg politisch verfolgten Deutschen denn pauschal so bezeichnen will - gingen nach Lateinamerika. Und anständige Deutsche, die erstmal ins Exil gingen - denn Deutschland gab es ja in den ersten vier Jahren nach dem Krieg nicht mehr (böse Zungen behaupten, noch viel länger) - hatten gar kein Verlangen nach einem Aufenthalt bei Franco, sondern zogen andere Orte vor. Ernst von Salomon ging z.B. ins französische Baskenland, A. E. Johann nach Eire, wozu es noch etwas nachzutragen gilt: Wenn Ihr oben den Link zu den "Iren" angeklickt habt, liebe Leser, dann habt Ihr dort nur die knappe Aussage gelesen, daß Valeras Vater "Kubaner" war - mehr ist im Rahmen eines tabellarischen Kurzlebenslaufs nicht angebracht. Es ist auch nicht falsch; aber an dieser Stelle kann Dikigoros ja erwähnen, daß Valeras Vater Wahlkubaner war, d.h. er war irgendwann in die damals noch spanische Kolonie Cuba emigriert. Tatsächlich war er gebürtiger Baske - genau wie der Wahl-Kubaner Ernesto "Ché" Guevara, der nur zufällig in Argentinien geboren war. Und um noch einmal das zu parafrasieren, was Dikigoros im Vorwort schrieb: Eamon de Valera, der heute zu Unrecht vergessene Vater der irischen Unabhängigkeit, sah weder aus wie ein Ire noch wie ein Kubaner noch wie ein Spanier, sondern... wie ein Baske! Exkurs Ende.

Nun aber zur EtA. Anfangs beschränkte sie sich darauf, die bewaffneten Organe der Besatzungsmacht anzugreifen - aber nicht nur die kleinen Polizisten auf der Straße, sondern auch deren Vorgesetzte, die Schreibtischtäter in ihren Büropalästen. Die Besatzer reagierten mit Repressalien gegen die Zivilbevölkerung, woraufhin auch die Eta - die nicht nur im Baskenland, sondern auch im "Ausland", also in Kastilien, zuschlug - ebenfalls zivile Todesopfer zumindest billigend in Kauf nahm. So schaukelte sich das Ganze langsam, aber sicher hoch zu "Terror und Gegenterror". Solange die Eta - die sich als "sozialistisch" gerierte, obwohl sie doch eigentlich nationalistisch motiviert war - dabei gegen den bösen Franco kämpfte, hatte sie im gut-demokratischen Ausland durchaus Sympathien - und zuhause standen ohnehin alle geschlossen hinter ihr - bei jeder freien, demokratischen Wahl hätte sich die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung für eine staatliche Unabhängigkeit ausgesprochen.

1975, nach Francos Tod, wurde Spanien wieder eine Monarchie, die sich den Anschein gab, "demokratisch" zu sein und Minderheitenrechte gewähren zu wollen (was sich ja, wie wir bei der Pariser Revolution gesehen hatten, eigentlich ausschließt). Noch einmal hofften die Basken; aber auch diesmal wurden ihre Hoffnungen enttäuscht: Zwar gewährte man ihnen papierene "Autonomie" - aber die war nichts wert: Sie besagte nur, daß sie noch eine zusätzliche Instanz von Sesselpupsern schaffen durften - so ähnlichl wie in der BRD die Bundesländer (die man in der "DDR" glücklich abgeschafft hatte), daß aber ein großteil ihrer Steuern weiterhin nach Madrid an den Zentralstaat flossen. (Da wir eben bei einem Vergleich mit der BRD waren: Dort gab und gibt es das auch - es nennt sich schönfärberisch "Länderfinanzausgleich; der bestraft Bundesländer mit einer vernünftigen Finanz- und Wirtschaftpolitik zugunsten derjenigen, die durch hohe Gewerbesteuern und kostspielige Auflagen ertragsstarke Wirtschaftsunternehmen vergraulen.) Doch als die Eta wieder zu den Waffen griff, um das Baskenland und seine Freiheit zu verteidigen, verstummte plötzlich die verbale Unterstützung aus dem Ausland; und als Spanien 1982 gar in die EG eintrat, schlug sie in offene Feindschaft um. In den Medien wurden aus den "Freiheitskämpfern" von einst "Separatisten" und "Terroristen", so wie zehn Jahre zuvor, nachdem der "kalte Krieg" in politisches "Tauwetter" übergegangen war - besonders durch die "neue Ostpolitik" der Regierung Brandt - aus den kleineren Völkern der Sowjetunion "Separatisten" und "Terroristen" geworden waren. Nur von ihrem "Terror" sprach und schrieb man noch - über den der Regierung schwieg man. Und den Zeitungslesern und Fernsehzuschauern - die sich ja meist nicht so in der Materie auskannten - wurde weis gemacht, daß "die demokratische Mehrheit" der Basken "gar keinen eigenen Staat wollte." Es gab nämlich kluge Köpfe, die vorhatten, aus der EG - die einst als EWG, also als Europäische Wirtschaftsgemeinschaft gegründet worden war, eine politische Union zu machen, eine Sowjetunion 2.0, und denen paßte es gar nicht in den Kram, wenn irgendwelche Minderheiten aufmüpfig wurden und neue, kleine Pisselstaaten gründen wollten, denn es waren ja nicht nur die Basken - und die Katalanen und die Andalusier und die Galizier -, die sich von "Spanien" verabschieden wollten, sondern auch in den anderen EG-Ländern scharrten einige Minderheiten schon mit den Hufen, z.B. die Schotten, die Waliser, die Flamen, die Südtiroler, die Lombarden, die Korsen, die Bretonen...

Und es war doch auch irgendwie unpraktisch, wenn es mehr Zoll- und Sprachgrenzen gab als weniger - oder? Hätte man Dikigoros in jungen Jahren gefragt, wäre er wohl auch auf diese Argumentation herein gefallen: Er hatte brav Französisch gelernt (und Englisch und Fiorentinisch und Kastilianisch) und fand es selbstverständlich, daß er damit überall in Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien "durchkam" - was, wenn das irgendwann nicht mehr so wäre?!? Und nun kann er Euch ja auch verraten, wo er damals seine Sprachferien verbrachte: in der Bretagne, und er empfand es eher als Kuriosität, daß in der Gastfamilie noch eine uralte Oma lebte, die Bretonisch sprach - ein völlig anderes Idiom, das vom Französischen etwa so weit entfernt war wie das Baskische vom Kastilianischen -, und daß sich die Schwiegertochter nur äußerst mühsam mit ihr verständigen konnte und die Enkelkinder überhaupt nicht - die benötigten ihre Eltern als Dolmetscher. Niemand in der Familie wäre auf die Idee gekommen, einen eigenen Staat "Bretagne" zu fordern, geschweige denen, dafür den bewaffneten Kampf aufzunehmen, wie es Astérix und Obélix - die ja auch in jener Ecke saßen - bei Uderzo gegen die Römer taten. Und auch wenn andere diese Unabhängigkeit wollten - terroristische Anschläge gegen die nicht-bretonische Zivilbevölkerung in Frankreich hätten sie bestimmt abgelehnt.

Legen wir hier eine kurze Denkpause ein, denn es gibt grundsätzliche Fragen, die sich nicht nur im Falle der Basken stellen. Mit dem friedlichen Kampf um Rechte ist das nämlich so eine Sache: Friedhofsruhe läßt sich leicht "friedlich" verteidigen. Und der erfolgreich Dieb oder Räuber kann immer sagen: Jetzt bitte keine Gewaltanwendung... So gab es denn auch immer Leute, die gewaltsamen Widerstand gegen ihre Unterdrücker gepredigt und geleistet haben - einschließlich deren Zivilbevölkerung - und dennoch als brave "Freiheitskämpfer" galten und z.T. bis heute gelten, z.B. in Indien Bose, Nehru und, Jinnah oder in Indonesien Soekarno. Aber deren Kämpfe richteten sich gegen offene Kolonialherrschaften, das ist vielleicht nicht ganz zu vergleichen. Nehmen wir also lieber Nelson Mandela in Südafrika und Robert Mugabe in Rhodesien alias Zimbabwe. Man könnte fragen, ob die wirklich "Minderheiten" vertraten oder nicht eher Mehrheiten, und ob sie, nachdem sie die Macht ergriffen hatten, nicht viel schlimmere Terror-Regimes errichteten als ihre Vorgänger - aber auch das kann unser Thema hier nicht sein, denn die EtA ist ja nie im Baskenland an die Macht gekommen. (Organisationen wie der "Sendero luminoso" in Perú und die "Tupamaros" in Uruguay zum Glück auch nicht :-) Aber da wir gerade bei zwei Schwarzen waren: Wie war das mit den heute als "Friedensaposteln" gefeierten "Malcolm X" und Martin Luther King? Auch wenn an ihren Fingern nicht so viel Blut kleben mag wie an denen der Terroristen und Massenmörder Mandela und Mugabe - Waren sie nicht zumindest Haßprediger? Hört Euch deren Reden mal an, und dann laßt Euch noch etwas über derren "friedlichen" Widerstand erzählen... Aber auch diese Vergleichen mögen hinken, denn jene Schwarzen verlangten ja nicht bloß einen eigenen, unabhängigen Staat (den die Nachkommen der US-amerikanischen Negersklaven ja schon längst hatten, nämlich Liberia in Afrika - man hätte ihnen sogar die Schiffspassage bezahlt), sondern die Macht im bestehenden Staat! Der EtA dagegen lag nichts ferner als das: Sie wollte nicht in Spanien herrschen, sondern nur einen unabhängigen Staat für die Basken auf ihrem eigenen Territorium.

Das führt uns zu der Frage: Wann hat ein Volk ein moralisches Recht auf einen eigenen Staat? Wenn es - wie die Palästinenser - seine Nachbarvölker (und andere) mit Bombenwerfen erpreßt, ihm seinen eigenen Staat, den es selber in jeder Hinsicht unfähig ist, aufzubauen und zu erhalten, zu finanzieren? Wohl kaum. Oder wenn es, wie die Kuwaitis, mit dem faulen Hintern zufällig auf einem Stückchen Wüstensand sitzt, unter dem besonders wertvolle Bodenschätze, z. B. Erdöl, herum liegen, die es zwar selber unfähig ist, zu fördern, geschweige denn sinnvoll zu gebrauchen? Wohl kaum. Haben da nicht seine Nachbarvölker - z.B. die Iraker - ein moralisches Recht, einen Teil davon abzubekommen? Darüber kann man trefflich streiten. Aber all das ist bei den Basken ja gar nicht der Fall. Im Baskenland gibt es keine Bodenschätze, durch deren Ausbeutung die Basken reich würden und die sie ihren Nachbarn - z.B. den Spaniern und Franzosen - vorenthalten würden. Vielmehr sind sie durch ihrer eigenen Hände Arbeit, ihren Fleiß und ihre Tüchtigkeit reich geworden; und sie wären auch in jeder Hinsicht fähig und in der Lage, einen eigenen Staat aufzubauen und zu erhalten, haben also ein moralisches Recht darauf. Und dieses Recht sollen sie sich nehmen lassen von ihren faulen, brutalen Nachbarn, die sie nur ausbeuten und unterdrücken wollen? (Und dann waren da noch die Iren, die es freilich auch ohne die Ausbeutung und Unterdrückung durch die Engländer mutmaßlich nie auf einen grünen Zweig gebracht hätten - aber das ist eine andere Geschichte.)

Befürwortet Dikigoros etwa den Terrorismus? Pardon, aber das ist eine der vielen falschen Fragestellungen, die heutzutage im Schwange sind. "Den Terrorismus" gibt es ebenso wenig wie "die Ausländer". Es gibt Gastarbeiter, es gibt Asylanten, und es gibt illegal eingereiste. (Nein, liebe Ethno-Linke, kein Mensch ist illegal, da habt Ihr schon Recht; auch ein Einbrecher nicht; dennoch kann er illegale Handlungen begehen und sich dadurch strafbar machen - oder seht Ihr das anders?) Und die sollte man nicht leichtfertig in einen Topf werfen - schon gar nicht in den berüchtigen "Melting-pot" amerikanischer Prägung, sonst könnte man eines Tages feststellen, daß das, was man da angerührt hat, eine äußerst übel schmeckende Suppe ist - und wer soll die dann auslöffeln? Auch "Terrorismus" ist nicht gleich "Terrorismus". Terrorismus ist kein Selbstzweck. Im Grunde genommen sind Handlungen, die andere in Schrecken (nichts anderes heißt "Terror") versetzen sollen, nichts weiter als Mittel zum Zweck, und da gibt es halt sehr unterschiedliche Zwecke. Wenn ein Volk, das sich ein Land aufgebaut hat und dort unter seines gleichen leben will, mit eigener Kultur und vor allem Sprache, von einem anderen Land überfallen und unterjocht wird, wie die meisten Völker des Zarenreiches und der ehemaligen Sowjet-Union von den Russen, die meisten Völker Chinas von den Han, die keltischen Völker Großbritanniens von den Engländern, die "Randvölker" der iberischen Halbinsel von den Kastiliern oder die Westeuropas von den Franzosen, dann ist dieser Zweck verwerflich, egal mit welchen Mitteln er verfolgt wird; und es gibt auch Staats-Terror, wenngleich der sich meist "subtiler" äußert - oder ist es kein Terror, wenn man einem Volk, pardon einer Minderheit (denn als Volk wird ja nur noch anerkannt, wer einen eigenen Staat hat - und dann wundert man sich, wenn alle Völker ihren eigenen Staat haben wollen!) den Gebrauch seiner Muttersprache verbietet, wie das vor allem die Franzosen immer wieder getan haben? Wenn die IRA oder die ETA dagegen mit allen Mitteln ankämpfen, so sind sie im Recht, auch wenn sie dabei von einem großen Teil der eigenen Bevölkerung nicht (mehr) unterstützt werden, weil die inzwischen zu zahmen, geknechteten Kastraten geworden sind, der Staatsterror ihrer Unterdrücker also erfolgreich war.

Wie gesagt, es ist viel bequemer, Kastilianischsch oder Englisch zu lernen als Baskisch oder Irisch - nicht nur für Dikigoros, sondern auch für so genannte "Muttersprachler"! Ihr glaubt, Englisch sei schwierig zu erlernen, weil die gesprochene so stark von der geschriebenen Sprache abweicht? Dann habt Ihr noch nie versucht, Irisch schreiben zu lernen - Chinesisch ist nichts dagegen!) Aber ist das ein Grund, die letzteren zu unterdrücken? Müßten wir dann nicht alle Newspeak, pardon Esperanto lernen? Gewiß, es gibt auch den umgekehrten Fall: Wenn Völker, die es selber nie zu einer echten eigenen Kultur gebracht haben, wie die Heuschrecken in ein fremdes Land einfallen, von dessen kulturellen und sonstigen Leistungen schmarotzen, es unterwandern und hinterher auch noch mit (oder ganz alleine!) regieren wollen, dann ist das auch Terrorismus - solche Völker dürften keinen "Minderheitenschutz" genießen. Dazu zählen z.B. die Tamilen in Ceylon, die Zulus in Südafrika (die dort freilich inzwischen die Macht an sich gerissen haben) und die ursprünglich arabischen Muslime in allen Ländern, deren Kulturen sie zerstört haben, von Ägypten über Persien und Indien bis zur Inselwelt Austronesiens. (Und ausweislich der Statistik der nicht als Asylanten anerkannten Asylbewerber auch über 90% der nach West- und Mittel-Europa einreisenden "Drittstaatler".) Um solche Feinde und Totengräber der Kultur abzuschrecken kann kein "Staats-Terror zu hart sein, denn er rechtfertigt sich durch das ureigenste Recht eines jeden Menschen und eines jeden Volkes: die Notwehr.

"Und was ist mit den Befreiern?" hört Dikigoros jetzt einige gut manipulierte Naivlinge fragen? Na klar, die Amerikaner sind vor gut einem halben Jahrhundert nach Deutschland gekommen, um es von seinen Uhren und vom National-Sozialismus zu "befreien". Das war nett - wenn man mal davon absieht, daß die meisten Deutschen gar nicht von ihren Uhren (und so manchem anderen) "befreit" werden wollten. Gewiß war es auch nett, die Albaner im Kosovo von den Serben zu "befreien" und die Taliban in Afganistan von den Russen - nun können die endlich ungestört ihren terroristischen Aktivitäten nachgehen... Nein, mit "Befreiungen" ist das meist so eine Sache: China hat Tibet von den Lamas befreit - aber dafür hat es das Land selber unterworfen, und damit sind die Bewohner vom Regen in die Traufe gekommen. Die Spanier haben die prä-kolumbianischen Indios von der Terror-Herrschaft der Inka und Azteken befreit - aber ihr eigenes Regime war für die Eingeborenen nicht viel besser. Lenin hat die Völker des Tsarenreichs von der Knute befreit - und an deren Stelle die GULAGs gesetzt. Und manche Völker wollen auch gar nicht befreit werden, wie der große Reisende Richard Katz einmal schrieb: Die Indonesier wollen lieber von einem ihresgleichen, einem Sultan regiert werden - auch wenn der noch so grausam, korrupt und unfähig ist! -, als von einem noch so tüchtigen, milden und gerechten Gouverneur aus den Niederlanden. Dikigoros schüttelt zwar auch den Kopf darüber, aber er meint, daß man das respektieren muß - des Volkes Wille ist sein Himmelreich, und jedes Wahl-Volk hat die Regierung, die es verdient. Und selbst wenn nicht - welcher fremde Staat hätte das "Recht", sich in die inneren Angelegenheiten eines anderen einzumischen, um dessen Volk "die Freiheit" oder andere vermeintliche Segnungen seiner eigenen Zivilisation zu bringen? Vielleicht leben einige Menschen lieber in Lehmhütten als in Betonkästen (vielleicht ist das sogar gesünder)? Vielleicht schlafen in Indien die Menschen lieber auf der Straße als im Himmelbett? Vielleicht wollen sie gar keine Kondome, Anti-Baby-Pillen und Abtreibungs-Kliniken, weil sie Kinder als größeren Reichtum empfinden als ein dickes Auto (das die Umwelt belastet), eine Gefriertruhe (in dem dann doch bloß Junk-Food für die Mikrowelle aufbewahrt wird) und einen Stereo-Farbfernseher mit integriertem DVD-Player und Kabel- statt Familien-Anschluß? Aber Dikigoros will nicht abschweifen.

Aber haben denn immer die zufällig zuerst gekommenen ein "Recht" auf ein Land - womöglich noch ein alleiniges Recht? Nein, durchaus nicht. Ein Land gehört von Rechts wegen dem Volk, das etwas daraus macht. Deshalb gehört(e) der Chaco von Rechts wegen den Mennoniten, Formosa den Japanern, Südafrika den Buren, der Sinai den Israelis, das Baltikum, Preußen, Pommern, Schlesien und Siebenbürgen den Deutschen, Kleinasien den Griechen und Australien den Weißen. Dreist ist, wenn fremde Völker, die ihrerseits nichts zum Blühen dieser Landschaften beigetragen haben, sie an sich reißen und davon schmarotzen, bis die Substanz aufgebraucht ist; noch dreister ist es, wenn sie anschließend bei eben denen die Hand aufhalten und ihre maroden Staats(un)wesen alimentiert sehen wollen, womöglich noch genau von denen, die sie von dort vertrieben haben, wie das die Schwarzen in Namibia, Südafrika und Rhodesien tun, die Indonesier in Insulinde, die Palästiner in Judäa und Samaria, die Kanaken auf Neu-Kaledonien, die Bosniaken auf dem Balken und selbst die Paschtunen in Afganistan! Aber von all dem kann gerade bei den kleinen Völkern auf der iberischen Halbinsel schwerlich die Rede sein - im Gegenteil: Der marode spanische Zentralstaat schmarotzt seit Jahrhunderten von den tüchtigen Basken und Katalanen, die er ausbeutet und unterdrückt, ebenso wie der marode Zentralstaat Jugoslawien von den Slowenen und Kroaten schmarotzt hat, wie Nigeria von Biafra und der Kongo von Katanga. Hat das hierzulande irgend jemanden geschert? Mitnichten: meist ist man den tüchtigen unterdrückten Minderheiten noch in den Rücken gefallen, während man die faulen Schmarotzer unterstützt hat!

Nach so vielen theoretischen Überlegungen wieder zurück zum praktischen Leben, in dem unsere Geschichte spielt. Brieffreundschaften können lange dauern - früher dauerten sie bisweilen ein ganzes Leben - auch und gerade solche, die schon in der Jugendzeit geschlossen wurden. Dikigoros erinnert sich an einen Schlager aus dieser seiner Jugendzeit - einen "Evergreen" mit dem Titel "Wir können uns nur Briefe schreiben." Aber das tat man dann auch, weil es eben nichts anderes gab. Doch dann kam der "technische Fortschritt" - nicht nur in Form von Tiefkühltruhen und Mikrowellen, sondern z.B. auch in Form des Telefax - eine ungeheure Zeitersparnis gegenüber Briefen, und Zeit ist bekanntlich Geld. Irgendwann sieht man - und auch Dikigoros gehörte leider dazu - nicht mehr ein, warum man noch mit jemandem umständlichen Briefkontakt halten soll, der nicht ein solch praktisches Gerät besitzt. Um es kurz zu machen: Als erstes riß der Kontakt mit der bretonischen Gastfamilie ab. Er erfuhr noch, daß die Oma starb und daß der älteste Sohn Berufssoldat in der französischen Marine wurde, aber nicht mehr, was aus seinen beiden jüngeren Geschwistern wurde. Es war Dikigoros auch nicht so wichtig, denn die waren ja, als er dort war, noch Kinder, mit denen er, der sich als 17-jähriger schon so "erwachsen" fühlte, kaum gesprochen hatte. Den Kontakt zu E. und A. hielt er dagegen aufrecht, denn die hatten ein Faxgerät in der Firma, die sie gemeinsam von ihren Eltern übernommen hatten. A. erwies sich als überaus tüchtige Geschäftsfrau, die den kleinen Lieferservice zu einem großen Transportunternehmen ausbaute; und niemand stellte sich oder ihr damals die Frage, ob es den Preis wert war, den sie dafür zahlte, nämlich den Verzicht auf Ehe, Familie und Kinder. Auch ihr Bruder heiratete nicht - er war "mit der Firma verheiratet", wie man so [un]schön sagt. So waren wieder zwei potentielle baskische Familien dem "Fortschritt" zum Opfer gefallen. Die "Brief"-Freundschaft - die ja nun längst keine mehr war - überstand auch problemlos den Übergang von der Fax- zur Email-Ära; aber die alten, echten Brieffreundschaften lebten nicht wieder auf, weder nach Irland noch nach Katalonien noch in die Lombardei. So war das eben - man erfuhr über die dortigen Ereignisse nur noch aus der Lügenpresse den Qualitätsmedien; die persönliche Erfahrung - und sei es nur aus zweiter Hand - blieb aus.

Im März 2004, zwei Wochen vor den Parlamentswahlen, hatte die spanische Zentralregierung erneut die Baskenpartei verboten. Kurz darauf wurde ein Sprengstoffanschlag auf den Bahnhof von Madrid-Atocha verübt. Die Regierung war schnell bei der Hand: Das konnte doch nur die böse EtA gewesen sein! Entsprechend brutal reagierte sie sich auch wieder an der baskischen Zivilbevölkerung ab. Doch es waren gar nicht Angehörige der EtA, sondern der marokkanischen "Minderheit", welche die Regierung in den letzten Jahren zu Millionen nicht nur großzügig ins Land gelassen und alimentiert, sondern sogar mit dem Bürger- und Wahlrecht ausgestattet hatte! Wenn das keine Dankbarkeit ist... Einen Tag vor den Wahlen kam es heraus; das Wahlvolk schäumte vor Wut und wählte die Regierung ab. Es war eine reine Protestwahl, nicht für die Marxisten, sondern gegen die Konservativen. Aber so wie man vor der gewaltsamen Beseitigung eines Verbrecherregimes immer fragen sollte: "Was käme danach?", so sollte man das auch tun, wenn man ein Verbrecherregime abwählt, denn auch da gilt der Satz: "Schlimmer geht immer!" Es kam schlimmer, viel schlimmer, nicht nur für die Basken, sondern für ganz Spanien, denn die neue Regierung machte so weiter, wie die alte aufgehört hatte: Die muslimischen Invasoren wurden mit Glacé-Handschuhen angefaßt und weiter ins Land gelassen und eingebürgert, die Basken weiter unterdrückt und ausgebeutet. Und bei vielen siegte allmählich die Angst über die Bereitschaft, weiter zu kämpfen, denn der Glaube an einen endlichen Sieg - Dikigoros meidet, ausnahmsweise mal politisch korrekt, das Wort "Endsieg" - war kaum noch vorhanden.

Exkurs. Auch wenn Dikigoros' Kontakt zu G. abgerissen war, verfolgte er die Entwicklung in Katalonien doch noch mit Interesse, denn seine Schwägerin war auf ihre alten Tage dorthin emigriert - voller Optimismus, den sie indes bald verlor. Die Katalanen hatten geglaubt, auf Gewalt verzichten zu können - sie waren den Basken ja schon zu Dikigoros' Schulzeiten nicht grün gewesen und dachten nie daran, sich etwa mit denen gemeinsam gegen Madrid zu erheben. Vielmehr setzten sie darauf, ihr Ziel - das natürlich auch die Unabhängigkeit von Spanien war - und mit friedlichen Mitteln zu erreichen. Also führte die Regionalregierung irgendwann im neuen Jahrtausend - chronologisch nach den Ereignissen, die Dikigoros im folgenden schildert, aber dies ist ja nur ein Exkurs - eine Volksabstimmung durch, in der sich die Katalanen - anders als etwas später die Québecois Franko-Kanadier und die Schotten - mit überwältigender Mehrheit für eine staatliche Unabhängigkeit aus. Aber die wurde nicht anerkannt - weder von Spanien noch von der EU noch von der UNO noch von irgendjemandem sonst, den es nichts anging. Also konnte Spanien den "Abfall" der "separaristischen Provinz" blutig nieder schlagen, dessen - demokratisch gewählten, friedfertigem - Anführer absetzen und einkerkern. Ohne Hilfe von außen waren die Katalanen chancenlos - Sie hatten ja keinen "bewaffneten Arm" wie die EtA, also nahm das Schicksal seinen Lauf. Und niemand regte sich darob auf in der so genannten "Weltöffentlichkeit" - im Gegenteil, alle gaben sich empört über die "Undankbarkeit" der "Abtrünnigen" und klatschten Madrid Beifall, den "Aufstand" nieder geworfen zu haben. Exkurs Ende.

2011 erklärte die EtA einen einseitigen Waffenstillstand, d.h. sie beging fortan keine "Anschläge" gegen ihre Unterdrücker mehr, sondern stellte den Kampf ein - was einer Kapitulation gleich kam. Aber das half den Basken nichts, denn die Gegenseite machte unbeirrt weiter mit ihrer Ausrottungspolitik. Insbesondere blieben die Sippenhäftlinge eingekerkert - das erklärte der neue spanische Ministerpräsident sofort. Er hieß "Rajoy" - was akustisch an das deutsche Wort "Rache" erinnert, mit dem es indes nicht verwandt ist. Tatsächlich verbarg sich hinter diesem Namen eine ganz andere Verwandtschaft, nämlich zu Franco: Wie dieser stammte er aus Galizien, und wie dieser war er sefardischer Abstammung - jedenfall über die Mutter, eine geborene López, und nur das zählt ja nach mosaïschem Recht. Sieben magere Jahre blieb er im Amt und wurde dabei fett, bis ihn ein Mißtrauensvotum stürzte - was freilich auch nichts mehr änderte, zumal auch sein Nachfolger ein Angehöriger des "auserwählten" Volkes war: Sowohl "Sánchez" als auch "Pérez" sind sefardische Namen.

Bereits einen Monat zuvor, im Mai 2018, hatte die EtA ihre Auflösung bekannt gegeben, und eine der letzten Amtshandlungen von López, pardon Rajoy, war es, diese als "Propaganda" zurück zu weisen und weitere harte Unterdrückungsmaßnahmen anzukünden - als hätte er geahnt, daß zwei Jahre später die getürkte "Corona-Pandemie" seinem Nachfolger den Vorwand dafür bieten sollte... Aber darauf kommt es schon nicht mehr an. Der Kampf der Basken ist verloren, der Völkermord fast vollendet, das Volk stirbt - langsam aber sicher. Als Dikigoros vor einem guten halben Jahrhundert - und erst im Rückblick erkennt er, was für ein gutes halbes Jahrhundert es tatsächlich war - E. und A. kennen lernte, lebten noch gut 4 Millionen Menschen im Baskenland, von denen gut die Hälfte Baskisch sprach, also echte Basken waren. Heute haben das "französische" und das "spanische" Baskenland zusammen nur noch 2,7 Millionen Einwohner, von denen nur noch 700.000 Baskisch sprechen; und mit der Sprache stirbt das Volk. 1,3 Millionen Basken "netto" hat das sefardischespanische Regime also in dieser Zeit vernichtet. Wie hoch war gleich die Zahl der Todesopfer durch Aktionen baskischer Widerstandskämpfer? 800 - in Worten: achthundert - und die Mehrzahl davon Angehörige der bewaffneten Organe des Regimes! Bei solchen Relationen fällt es schwer, nicht zu relativieren - wenngleich das auch in Spanien aus eben diesem Grunde längst verboten ist. Und in ein, zwei Generationen, wenn die Erben Francos das einstige Baskenland vollständig neu besiedelt haben werden - aber diesmal nicht mit Andalusiern, sondern mit Arabern und Negern Rapefugees Immigranten "Flüchtlingen" aus Afrika -, wird niemand mehr da sein, der auch nur weiß, was "Euzkadi ta Azkatasuna" einmal bedeutete. Aber das wird Dikigoros zum Glück nicht mehr mit erleben.

PS: Ebenso wenig - aber das ist kein Trost - wird er mit erleben, daß bis dahin auch die echten Deutschen im zunehmend von Afrikanern und Orientalen besiedelten Mitteleuropa erst zur Minderheit absinken und dann aussterben werden; das BRDDR-Regime unter der Jüdin Sarah Sauer, geb. Kasner, verbannte, um das zu verschleiern, bereits 2021 das Wort "Migrationshintergrund", das es einst selber als Eufemismus für "eingebürgerte" Ausländer geschaffen hatte, aus dem amtlichen Sprachgebrauch.


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